[Kleines cubiculum Dede]

  • "Ich glaube dir und mir reicht es wenn du es akzeptierst.“ Sagte er und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Er lachte leise. „Wir werden sehen Dede, wir werden sehen.“ Sie war noch so jung und da von immer zu sprechen war schon sehr gewagt. Aber er würde sich nicht beschweren wenn es denn so wäre. „Und du versprichst mir, dass du wieder normal isst.“ er streichelte ihre Seite entlang. „Ich mag es nicht wenn ich deine Knochen spüren kann.“ Und außerdem würde Stratonica ihm wohl den Kopf abreißen wenn Dede nicht endlich wieder ordentlich aß. Und Ärger mit Stratonica wollte er nun wirklich nicht.

  • Meine Hände legten sich um meinen Brustkorb, so dass die Finger die Rippen verdeckten. Ich schämte mich. Ich wollte hübsch für ihn sein. Begehrenswert. Und wenn er mir so direkt sagte, dass ihm etwas an mir nicht gefiel, war das für mich schlimmer als es jede Strafe sein könnte. “Ich werde mehr essen“ sagte ich deutlich geknickt und hoffte, dass mein Magen sich nun beruhigen würde und es auch zulassen würde. Es war ja nicht so, als ob ich das mit Absicht machen würde. Aber wenn es mir schlecht ging, dann hatte ich einfach keinen Appetit und konnte nicht essen.

  • Er nahm ihre Hände, die so so gleich das von ihm angesprochene verdeckte und auch ihrer Stimme konnte er anhören, dass sie geknickt war. Himmel! Er wollte doch nur, dass sie wieder normal aß und fröhlich wurde. „Es ist alles in Ordnung. Ich möchte nur, dass du mehr isst.“ Er gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Und jetzt lass uns schlafen.“ Und so teilte er ihr wohl ganz nebenbei mit, dass auch dies ein Teil des Ganzen war, dass er also nicht sich an ihr bedienen und danach aus dem Bett flüchten würde. Im Halbschlaf murmelte er. „Und morgen Abend will ich dich endlich in dem Kleid sehen.“

  • Er legte meine Hände wieder um sich und zog mich an sich. Auf meinem Bett blieb auch nicht viel anderes, wirklich Platz, um sich zurückzuziehen, war da nicht. Es war ja eigentlich für eine Person gedacht und nicht für zwei. Er küsste mich auf die Stirn und wollte schlafen. Hier, bei mir. Nicht bei seiner Frau, sondern bei mir. Ich kuschelte mich ganz eng an ihn und hielt ihn einfach nur fest. Ein Teil von mir hatte Angst, einzuschlafen, weil ich immer noch Angst hatte, dass es doch alles nur ein Traum war. “Weck mich bitte, wenn du aufstehst“, flüsterte ich ihm noch zu, als er schon leicht wegdämmerte und von dem Kleid redete. “Dann musst du mir morgen noch einmal Zeit geben, zu üben“, sagte ich mit einem kleinen Lächeln und bettete meinen Kopf an seinem. Noch immer traute ich mich nicht ganz, die Augen zu schließen, aber bald schon wurde auch mein Atem gleichmäßiger und irgendwann schlief ich tatsächlich.

  • Wie immer in aller frühe wachte er auf. Nur kurz musste er sich orientieren, dann beugte er sich herab, denn er erinnerte sich noch an ihre Worte vom Abend, und flüsterte ihr ins Ohr. „Ich steh jetzt auf, aber du kannst noch liegenbleiben.“ Er erhob sich und zog sich die Tunika über, ein schlaftrunkene Dede blickte ihm entgegen. Er beugte sich nochmal zu ihr und gab ihr einen Kuss. „Ich geh jetzt zum Training. Schlaf du noch etwas und denk an deinen Versprechen, ich will dich beim Frühstück sehen.“ Sagte er zwinkerte ihr zu und verließ das Zimmer.

  • Ich wachte sehr früh auf, weil Nero aufstand. Er rüttelte mich ganz leicht und flüsterte in mein Ohr. Ich schlug müde die Augen auf und sah ihn an, während er aufstand und sich seine Untertunika wieder über den nackten Körper zog. Ich hatte es nicht geträumt. Er war tatsächlich bei mir gewesen heute Nacht und hatte auch neben mir geschlafen. Ich lächelte müde, und er sagte mir, ich solle noch schlafen und nachher frühstücken. Er wolle mich dort sehen. “Ja“ murmelte ich verschlafen und rollte mich in die warme Kuhle, die sein Körper hinterlassen hatte. Alles hier roch noch nach ihm. Ich hatte diesen Geruch so sehr vermisst. Es dauerte auch nicht lange, dann war ich wieder eingeschlafen, um erst einige stunden später zu erwachen. Mit Hunger.

  • Am Abend würde Dede in ihrem Zimmer ein deutlich größeres Bett vorfinden. Nero war praktisch veranlagt, das Bett in Dedes Zimmer war zu klein um zu zweit bequem darin schlafen zu können, also hatte er kurzerhand angeordnet eines der größeren Betten aus einem der Gästezimmer in das Zimmer von Dede bringen zulassen. Ja das Bett war doppelt so groß wie das in welchem sie bisher genächtigt hatte. Es war wohl ein mehr als deutliches Zeichen, dass er durchaus vorhatte, die ein oder andere Nacht bei ihr zu verbringen.

  • Das größere Bett war ein überdeutliches Zeichen, dass mein Herr häufiger die Nacht auch bei mir verbringen wollte. Allerdings war dadurch das Zimmer jetzt auch ein wenig kleiner.


    Da ich am Nachmittag nicht wirklich viel zu tun hatte, nutzte ich die Gelegenheit, noch einmal die seidenen Tücher aus der Truhe zu holen und ein wenig zu üben. Ich hätte wirklich mehr üben sollen, die Hälfte aller Bewegungen, die Morrigan mir beigebracht hatte, hatte ich vergessen. Ich hatte ja auch nicht mehr daran geglaubt, diese Bewegungen noch jemals wieder zu brauchen.

    Nur nach und nach kam die Erinnerung wieder, und ich drehte mich leicht, wackelte mit der Hüfte, ließ die Tücher fliegen und sich um meinen Körper schmiegen. Ich war ja durchaus aufgeregt. Aber das Kleid probierte ich noch nicht an. Erst nach dem Abendessen, als die Arbeit des Tages verrichtet war und alle sich zur Ruhe zurückzogen, ging ich in mein zimmer, öffnete die Truhe und zog mich vorsichtig um. Die gelbe Seide fühlte sich kühl auf der Haut an und offenbarte mehr, als sie verbarg.

    Nervös ging ich in meinem Zimmer ein wenig auf und ab. Würde er wirklich kommen? Wenn ja, wann? Wann war er in der letzten Nacht gekommen? Es war schon spät gewesen, eigentlich hätte ich schon geschlafen. Ich ging eine Weile auf und ab und legte mich dann letztendlich doch auf das breite Bett und starrte über mir an die Decke. Ob es jetzt immer so sein würde? Es fühlte sich ein wenig seltsam an. Nicht unbedingt schlecht, aber doch seltsam.

  • Es dauerte wohl noch eine Weile, doch schließlich öffnete Nero die Tür und sah Dede, die in diesem Kleid, einem hauch von Seide welche ihren Körper umschmeichelte auf dem Bett lag. Nero schloss die Tür hinter sich und blieb mit dem Rücken an diese gelehnt stehen. Er betrachtete sie einen Weile. Bis er schließlich fragte. „Du warst doch bei dieser Morrigan?“ Ja er hatte die Perserin tanzen sehen und ja es hatte ihm gefallen was er gesehen hatte. Dede hatte ihn gefragt und so hatte er dem Unterricht zugestimmt. Nun wollte er auch sehen, ob es sich gelohnt hatte und ob man den Unterricht weiter fortsetzen sollte. Als Dede auf seien Frage hin nickte umspielte ein leichtes Lächeln seinen Mund. Er ging zu ihr, zog sie für einen Kuss zu sich und flüsterte dann an ihre Lippen. „Tanz für mich.“ Er selbst setzte sich auf das Bett und wartete gespannt was nun folgen würde.

  • Die Tür öffnete sich leise und mein Herr trat leise ein. Ebenso leise schloss er die Tür hinter sich und lehnte sich mit dem Rücken an selbige. Ich richtete mich leicht auf, versuchte, meine Aufregung nicht zu sehr zu zeigen und legte mich ein wenig so, wie ich dachte, dass er vielleicht aufreizend wäre. Ein wenig seitlich, die Beine nur minimal angewinkelt. Er fragte nach Morrigan und dem Unterricht. Ich nickte, und er lächelte mich an. Mein Herz schlug vor Aufregung schneller. Er kam zu mir und zog mich hoch, um mich zu küssen. Ich erwiderte es nur zu gern und lehnte mich leicht gegen ihn.

    Er wollte, dass ich tanzte, und er setzte sich dafür auf das Bett, um mir zuzusehen. Ich lächelte ihn noch einmal schüchtern an und stellte mich auf. Ich versuchte, mich zu erinnern, aber es fühlte sich irgendwie seltsam an. Tamals Getrommel bei der Übungsstunde war ja erst etwas irritierend gewesen, aber dann doch ganz hilfreich, um einen Rhythmus zu finden.

    “Hmmm...“, machte ich, als ich versuchte, mich an einen Rhythmus zu erinnern, und lächelte verlegen. Ich kam mir albern vor, und mein Gesicht verzog sich zu einem eben solchen Lächeln. Ich atmete tief durch und schloss meine Augen. Ich stellte mir einen Rhythmus vor und fing an, mich zu bewegen, ganz langsam und wie Morrigan es mir gezeigt hatte. Ich wog leicht meine Hüften, begann dann, mich zu drehen und meinen Oberkörper dazu zu bewegen. Meine Hände fingen an, die Seitentücher wirbeln zu lassen, mit leichtem Schwung erst hinaus, und dann, während ich mich drehte, wieder zurück um meinen Körper herum. Und noch ein mal. Und noch ein mal.

    Ich sah zu meinem Herrn, während ich tanzte und mich bewegte. Gefiel es ihm? Mit einer Bewegung meines Handgelenkes warf ich das Seidentuch leicht in seine Richtung, nur um es wieder zurückzuziehen, ehe es ihn auch nur berührt hatte, und lächelte ihn vorsichtig an. “Gefällt es dir?“ fragte ich und drehte mich noch einmal auf den Zehenspitzen dabei für ihn.

  • Kleinigkeiten


    Ich war wieder weitestgehend genesen. Das Ziehen und Rumoren in meinem Bauch hatte aufgehört, aber bisweilen meldete sich mein Magen bei einem scharfen Geruch oder wenn ich zu viel gegessen hatte, oder wenn ich zu lange gar nichts gegessen hatte. Dann war mir ein wenig übel und ich fühlte mich schlecht. Aber ich hatte schon immer einen empfindlichen Magen gehabt, daher dachte ich mir nichts dabei.

    Als dann meine monatliche Blutung ausblieb, machte ich mir aber doch ein wenig Gedanken. Aber diesen Monat war ich zu der Zeit krank gewesen, die gefährlich gewesen wäre, und auch davor oder danach hatte mein Herr nicht bei mir gelegen, so dass es unmöglich war, dass ich schwanger sein könnte. Sicherlich war dies nur aufgrund dessen, dass ich krank gewesen war, so dass es sich verschob. Den nächsten Monat würden mein Herr und ich also aufpassen müssen. Aber da er längst nicht mehr jede Nacht kam und manchmal auch eine Woche lang überhaupt nicht, würde das wohl gehen.

    Ich würde ihm nichts davon sagen, er würde sich nur Sorgen machen. Oder er würde denken, ich wäre schwanger, und würde mich dann weggeben. Nein, ich würde ihm nichts sagen. Sowas passierte schonmal. Es verschob sich nur etwas.

  • Es hatte sich nicht nur verschoben. Meine Blutungen waren ausgeblieben, und auch beim nächsten Neumond hatte keine Blutung eingesetzt. Ich rechnete, wieder und wieder, wälzte mich unruhig im Schlaf herum und überlegte, was nicht sein durfte. Mein Herr war in den letzten Wochen und Monaten nur selten bei mir. Und noch viel seltener hatte er dabei etwas getan, was potentiell in einem Kind hätte münden können. Und nie zur Zeit des Vollmondes. Es konnte also gar nicht sein. Es durfte nicht sein. Es durfte einfach nicht sein.

    Ich lag auf der Seite und betrachtete meinen Bauch. Dort war eine ganz leichte Wölbung. Blähungen, sagte ich mir. Ich hatte in letzter Zeit gut gegessen und ein wenig zugenommen. Ich trug meinen Gürtel ein Loch weiter als sonst. Bestimmt hatte ich nur zugenommen und Blähungen. Es durfte nichts anderes sein.

    Ich weinte ein wenig und war froh, dass mein Herr heute Nacht nicht da war. War überhaupt froh, dass er nur selten nachts zu mir kam. In meinen Kleidern und Tuniken sah man nichts. Würde man etwas sehen, hätte Mama Stratonica es garantiert schon bemerkt und etwas gesagt. Oder einer der anderen. Aber man sah nichts. Aber nackt, wenn noch Tageslicht da war und nicht nur die schummrige Öllampe… Nein, es war nur ein wenig Speck. Ich würde die nächsten tage einfach weniger essen und mehr Sport treiben versuchen. Vielleicht erlaubte mein Herr mir ja, dass ich am Badetag der Sklaven in der Therme laufen ging. Dort gab es gute Sportanlagen. Vielleicht sollte ich ihn einmal fragen. Vielleicht. Wenn ich mich traute.


    Vielleicht sollte ich auch einmal zum Tempel des Askleipius auf der Tiberinsel gehen und einen Heiler fragen. Nicht unseren Heiler, hier in der Villa, der dem Herrn nur falsche Dinge berichten würde. Jemand, der mich nicht kannte. Vielleicht wusste der einen Rat? Nur wie sollte ich dorthin kommen? Waldemar würde sicher auch dem Herrn bescheid geben. Vielleicht sollte ich Flamma fragen? Würde er das Geheimnis behalten, als Gegenleistung dafür, dass ich ihn zu der Tätowiererin gebracht hatte und Kara nichts verraten hatte? Ich wusste es nicht. Warum konnte ich nicht einfach endlich bluten?