Beiträge von Duccia Clara

    Tiberios blieb noch und wir haben auf den Medicus im Flur gewartet. Auch Makitros, der Tusca sehr mochte war hier. Endlich, nach einer Weile kam Quintus Fabricius aus dem Cubiculum und sah mich mit einem undefinierbaren Blick an.


    "Was hat nun die arme Tusca?" fragte ich ungeduldig, denn Quintus Fabricius war für seine Wortkargheit bekannt. Er sagte dann, dass Tusca Fieber und anscheinend Rachenentzündung hat und hat empfohlen, ihr Wadenwickel gegen Fieber mit Essig zu machen und sie soll viel trinken. Er hätte ihr eine Tinktur gegeben, damit sie schläft und kommt morgen noch mal vorbei. Und dann war er gleich weg! Ich schüttelte nur den Kopf und sah Tiberios an,


    "Nun, Tiberios, jetzt wissen wir, was Tusca hat, die wird bald wieder gesund, ich werde mich jetzt um sie kümmern und du kannst nach Hause gehen..., wenn es Tusca besser geht, werde ich dir eine Nachricht zukommen lassen, damit du sie besuchen kommst und danke dir für deine Hilfe..."

    Die arme Tusca tat mir sehr leid. Sie war niemals krank, eine durch und durch gesunde und kräftige junge Frau. Hat sie sich von mir angesteckt, oder ist etwas unterwegs bei dem langen Spaziergang geschehen? Aber Tiberios wusste es auch nicht.


    "Tiberios, steh auf ... Du bist natürlich nicht verantwortlich, wir warten bis der Medicus kommt und erfahren dann mehr...",


    Und gerade in diesem Moment kam auch Quintus Fabricius, der unser Nachbar und Medicus war und näherte sich gleich ohne weiteres dem Bett und sah Tusca an. Er fragte sie, wie ihr Name sei, drückte ihr leicht in der Magengegend und fühlte ihren Puls. Tusca reagierte nicht, sie war immer noch bewusstlos. Dann blickte der Medicus mich an und fragte, seit wann sie in diesem Zustand ist und was vorgefallen war.


    Ich erzählte ihm, was mir Tiberios geschildert hat und dass ich auch nichts mehr weiß. Quintus Fabricius bat uns dann das Cubiculum zu verlassen, er wollte Tusca gründlich untersuchen.

                                                       Die Heimkehr


    Schon seit ein paar Stunden machte ich mir Sorgen um Tusca und Tiberios. So lange waren sie schon unterwegs und es wurde bereits dunkel. Tusca hatte in Roma immer Angst, wenn sie Soldaten sah ... Vielleicht war es ein Fehler, den beiden so einen langen Spaziergang zu erlauben.


    Und nun, ohne zu klopfen, betrat Makitros das Zimmer, Tusca in seinen Armen, gefolgt von Tiberios.


    "... Was ist denn passiert? Tiberios?...", Ich schaute abwechselnd meine Sklavin und Tiberios an. Die Keltin schien bewusstlos zu sein. "Makitros, du kannst Tusca auf mein Bett hinlegen und hole den Medicus Fabricius von nebenan". Denn der werte Medicus war unser Nachbar.



    "Salve Domina Clara",

    "Oh, Tiberios, ich habe es fast vergessen und möchte mich bei dir für das wunderschöne Geschenk bedanken...,  leider muss ich zugeben, ich habe es noch nicht gelesen. Tusca ist krank und ich kümmere mich um sie und Belka auch..."


    Da kam eine Sklavin vorbei und plapperte, was das Zeug hält, so eine Angeberin, wie die meisten Sklaven eben. Ich schüttelte nur den Kopf. Auf einmal waren alle Sklaven in Roma Polyglotten! Aber es ging mich nichts an.


    Als Makitros mir etwas ins Ohr flüsterte, schaute ich Tiberios an,


    "Wir müssen noch für Tusca die Medizin holen, also viel Spaß mit der Lektüre, ... Vale bene, Tiberios!"


    Ich habe die Schriftrolle angeschaut, weder die Sprache noch die Schrift waren mir bekannt. Dann sah ich den Griechen an,


    "Nein, Tiberios, ich kenne diese Geschichte nicht ... Alles, was aus dem Orient kommt, interessiert mich nicht. Habe da meine Bedenken..., kennst du aramäisch ?"


    Es könnte ja sein, dachte ich, denn Tiberios war ein sehr gebildeter junger Mann und seine Talente waren unergründlich.

    Heute Nachmittag ging ich auf den Markt. Tusca war leider krank und so begleitete mich Makitros und er trug meinen großen Korb. An einem Juwelierstand sind wir dann stehen geblieben, ich fand eine schöne, leuchtende Bernsteinkette und kaufte die.


    Wir schlenderten langsam weiter und auf dem Weg zu den Händlern passierten wir eine Garküche. Sofort meldete sich mein Appetit und ich kam näher, um die Leckereien zu begutachten. Makitros bestellte für mich dann ein Stück Honigkuchen und einen Becher Quellwasser. Ich setze mich auf eine kleine Bank und aß langsam und mit Genuss meinen Kuchen ... . Nebenbei betrachtete ich das bunte Treiben auf dem Markt und sah dann nicht weit von mir Tiberios, den Maiordomus von Furia Stella, der mit einem Buchhändler im Gespräch war und etwas enttäuscht wirkte. Ich stand auf und ging mit meinem Becher Wasser zum Bücherstand, Makitros hinter mir.


    "Tiberios, salve! Hast du was Aufregendes gefunden?" Ich lächelte den jungen Griechen an.

    "Wolltest Du nicht auch nach Britannia? " fragte ich überraschend, denn Stella sollte eigentlich mit mir dorthin fahren.


    "Aber Tusca kann natürlich bei Euch bleiben, bis ich zurück bin. Ich frage sie mal ..."


    Tusca beschäftigte sich mit dem Hund und machte auf mich einen unglücklichen Eindruck, "Was ist los, Tusca? Hat dich wieder jemand beleidigt ... Sag es mir! " Ich schaute meine Sklavin an und fuhr fort, "Domina Stella fragt, ob du in Casa Furia wohnen möchtest, solange ich auf Reisen bin ... Möchtest du?" ...

    Die Schriftrollehülle alleine war schon ein Geschenk! "Vielen lieben Dank, liebe Stella und auch einen Dank an Tiberios!" Ich holte die Rolle aus dem Behälter und war hin und weg: Es war eine sehr schöne Ausgabe von "Bücher Fünf bis Sieben der Kyropaideia" von Xenophon, "Oh! Ich bin sehr glücklich, sag ihm das", ... Ich legte die Schriftrolle vorsichtig zurück in die Hülle.


    So, nun musste ich mit Tusca reden, "Tusca, begleite unsere Gäste in den Garten und bringe uns allen dann Erfrischungen und Knabberzeug, nu, mach schon ..." und ich gab ihr einen leichten Klaps, denn sie war irgendwie mit ihren Gedanken weit weg.

    Kaum hatte ich "Hereingerufen", da ging die Tür auf und der Besuch war da! Ich freute mich, als Stella den Raum betrat. Ich stand auf und umarmte sie kurz, "Wie geht es Dir, liebe Freundin?", erst dann sah ich ihre Gefolgschaft, Glafira und Nestor kannte ich, aber wer war dieser Blonde Germane, dass er Gemane war, erkannte ich sofort! Ein neuer Sklave? Hmmm...


    "Aber kommt doch alle rein, so eine Überraschung ..., wer ist dieser schöne Mann, liebe Stella?", und meine Augen haben angefangen zu glitzern.


    "Aber, was bin ich für eine schlechte Gastgeberin ? Nimm Platz, bitte und ..." Ich sah mich um,


    "Wo ist Tusca?"

    Eine Sklavin der Casa Sergia brachte diesen Brief für die Furia Stella vorbei.


    Liebe Freundin,


    Danke für Deinen Brief. Ich habe mich sehr gefreut, von Dir zu hören und warte ungeduldig auf Deinen Besuch.


    Ich bin jeden Tag post meridiem zu Hause.


    Vale bene,


    Duccia Clara

    Dass Tusca Angst vor römischen Soldaten hatte, war verständlich, sie wurde ja schwer verletzt nach einem Überfall damals in Britannia von meinem Vater gefunden, der sie gesundgepflegt hatte und mir dann schenkte.


    "Tiberios, ich werde mit Tusca sprechen und ihr alles erklären, damit die keine Angst mehr hier in Roma hat. " Ich schaute die arme Tusca an, die immer noch neben mir stand und und flüsterte ihr, um sie zu beruhigen, ein paar Worte in einem Dialekt, den sie verstand.


    "Nun, Tiberios, ich möchte dich nicht mehr aufhalten, wir warten dann auf dich, wie besprochen ... Grüße Domina Stella von mir und danke noch mal für die Schriften ... ." , dabei lächelte ich ihn fröhlich an.


    "Komm gut nach Hause. Vale bene ..."

    Tusca erwachte langsam aus ihrer Starre, hörte Tiberios zu und lächelte ihn an.


    "Tiberios, ich denke, in zwei Tagen zur hora sexta kannst du Tusca abholen. Sie schafft es noch meine Medizin vorzubereiten und abends dann, wenn sie zurück ist, noch einmal, ansonsten brauche ich sie nicht am Tage... "


    Etwas mulmig war mir schon, die Keltin für den ganzen Tag ziehen zu lassen, die war unberechenbar, wenn sie Gefahr spürte, aber Tiberios machte einen ausgeglichenen Eindruck auf auf mich und ich musste ihm einfach vertrauen,


    "Tiberios, pass auf dich und Tusca gut auf und, wie ich schon sagte, die Menschenmengen vermeiden ... !"

    Anscheinend war Tiberios von meiner Medizin so begeistert, dass er es seiner Domina Stella den Kumys empfehlen wollte,


    "Aber deine Domina Stella kennt ja sehr gut dieses Getränk und seine Wirkung... Kannst du sie mal fragen!"


    Dann verfasste er noch Einverständniserklärung und gab es mir zu unterschreiben, was ich auch gleich tat und gab das kleine Schreiben Tiberios zurück.


    Ich Duccia Clara gestatte meiner Sklavin Tusca bis auf Weiteres sich auf allen Wegen in und außerhalb der Stadt zu bewegen.


    Duccia Clara   


    ANTE DIEM KAL FEB DCCCLXXIXIV A.U.C.


    "Du kannst natürlich Tusca fragen", dabei sah ich meine Sklavin an, die mit ausdrucksloser Miene da stand und keine Regung zeigte... Typisch Tusca!


    " Und wann gedenkst du nun diesen Ausflug zu machen?"

    Langsam trank ich meinen Kumys, der nicht besonders schmeckte. Als Tiberios so neugierig auf die Schale schaute und Tusca fragte, wozu diese Medizin gut ist, lächelte ich ihn an und nickte,


    "Ja, genau das, die vergorene Stutenmilch. Tusca kann und darf nicht darüber reden, es geht ja um mich, aber ich kann es dir erläutern, das ist die beste und wirksamste Medizin gegen Husten. Der Medicus hat es mir verschrieben. Unser Koch kauft die Stutenmilch und Tusca bereitet es nach seinem Rezept vor".


    Mehr wollte ich nicht erzählen, es war alles sehr kompliziert und zu privat.


    "Also, du wolltest eine schriftliche Genehmigung für den Ausflug? Dann schreib das auf und ich unterschreibe... , wäre es dir recht?" .... fragte ich und nahm noch einen Schluck Kumys.

    Es war ein Vergnügen, dem theatralischen Auftritt Tiberios beizuwohnen und die schöne Dichtung wahrzunehmen.


    Ich war absolut begeistert und klatschte enthusiastisch in die Hände! "Bravo, Tiberios! Du bist ein geborener Schauspieler" , dabei ließ mich sein strahlendes Lächeln dahinschmelzen und mir wurde ganz warm ums Herz.


    Tiberios erzählte nun über Tuscas Heimweh und es würde ihr gut tun, den ganzen Tag draußen zu sein ..., was natürlich nicht ging, denn sie musste ja sich um ihre Herrin, mich, kümmern. Das alles erzählte mir Tiberios auf Griechisch, vermutlich damit Tusca uns nicht verstand. Sie war aber nicht im Zimmer und so konnte ich frei sprechen.


    "Tiberios, Tusca ist im Wald großgeworden und natürlich sehnt sie sich nach der Freiheit der Wildnis. Ich habe ihr ja Belka aus ihrer Gegend mitgebracht, mehr ist nichts zu machen..." Ich überlegte kurz und fuhr fort, "Aber weil du mir heute so viel Vergnügen bereiten hast und dazu noch die Bücher mitgebracht hast, möchte ich mich dafür bedanken und erlaube Tusca ausnahmsweise einen kleinen Ausflug mit dir, bis es dunkel wird.", dann schaute ich den Griechen an, "Aber muss es unbedingt vor den Toren der Stadt sein?... "

    Endlich kamen die beiden Sklaven zurück, es hat etwas länger gedauert, aber ich habe meine Zeit auch sinnvoll genutzt.


    "Tiberios, ich hoffe, dass der Spaziergang zu Casa Furia und zurück ohne besondere Zwischenfälle verlief ... Hast du die Bücher in der furischen Bibliothek gefunden? ..."


    Dann sah ich Tusca an, der anscheinend die frische Luft gut getan hat, und fragte sie nach meiner Medizin, daraufhin ging sie in das andere Zimmer, Belka hinterher!

    Tusca mit Tiberios auf die Strasse gehen zu lassen, was nicht ungefährlich, sie war nur immer mit mir unterwegs und meistens sehr nervös, sie dachte, ihre Domina befindet sich unter Feinden und in Gefahr. Aber nach Rückkehr aus dem Urlaub hat sie sich auch geändert, sie bemalt sich nicht mehr mit blauer Farbe und kleidet sich den Umständen entsprechend. Ich wusste natürlich, dass zwischen den beiden eine gewisse Harmonie herschte und, dass Tiberios auf Tusca aufpassen wird,


    "Tiberios, ich habe nichts dagegen, aber es ist nicht einfach mit Tusca spazieren zu gehen, sie sieht überall Gefahr, das sage ich aus Erfahrung ... Also, pass auf sie auf, und wenn sie nervös wird, streiche ihr leicht den Oberarm, was auch ich immer mache, dann wird sie sich beruhigen..."


    Sein Vorschlag, mir die Bücher zu bringen, war taktisch geschickt, er war eben ein schlauer Grieche!


    "Über die Bücher werde ich mich sehr freuen, Tiberios!"

    "Das ist sehr nett von dir, Tiberios, mir ein paar Bücher zu bringen, befinden sich in der Bibliotheca der Casa Furia auch die Werke von Xenophon? ... ", dabei habe ich an die Geschichte von "Pantheia und Abradatas" gedacht.


    Ich fühlte mich nun hin und her gerissen, Tiberios gleich weg zu schicken, um mir die Lektüren sofort zu bringen, oder doch noch etwas abwarten ... Nicht so egoistisch sein, liebe Clara, habe ich zu mir selbst gesagt... Lächelte dann Tiberios freundlich an,


    "Ich habe noch eine Schriftrolle, die ich noch nicht zu Ende gelesen habe, aber wenn du in den nächsten Tagen noch mal Zeit findest, dann werde ich dir sehr dankbar sein..."


    Nun, kam auch Tusca mit den Erfrischungen zurück und nebenbei habe ich bemerkt, dass der Hund den jungen Griechen offensichtlich mochte!

    Die Tür ging auf und Tusca eintrat bald und hat noch einen Gast mitgebracht!


    "Salve, Tiberios, das ist ja eine Überraschung, freue dich zu sehen... Hast du mir noch ein paar Schriftrollen mitgebracht? Weißt Du, die Bibliothek der Casa Sergia wird renoviert und ich habe nichts mehr zu lesen... . Das ist ein Jammer!" , ich nickte bestätigend, dann bemerkte ich, dass Tiberios ganze Aufmerksamkeit dem Hund gilt und ich lächelte in mich hinein.


    "Das ist der Hund, den ich Tusca aus Britannia damals mitgebracht hatte, damit sie sich nicht so einsam weit weg von ihrer Heimat fühlt", ich schaute die Sklavin an, die immer noch ihren Bogen in der Hand hielt,


    "Tusca, stehe nicht, wie eine Statue da, leg das Ding weg, es macht mich nervös..., und bringe uns etwas zum Trinken"


    Inzwischen kam der Hund wieder aus dem Korb und ging diesmal auf Tiberios zu. Er schnupperte kurz an ihm und wedelte zufrieden mit dem buschigen Schwanz ,


    "Wenn du ihn streicheln möchtest, es ist übrigens ein Mädchen, dann solltest du Tusca fragen" , dabei lächelte ich Tiberios vergnügt an...