Rückkehr aus dem Osten

  • Nach seinem Aufbruch aus Syrien war Caesoninus erneut an Bord des Truppentransporters Charybdis gegangen, die dort ganz so im Hafen von Seleukeia Pieria gelegen hatte, als hätte das vergangene Jahr nie existiert. Ganz so, als wäre er an einem Abend von Bord gegangen, um schon am nächsten Morgen wieder auf ihr weiterzufahren. Alle bekannten Leute der Mannschaft waren wieder wie schon beim letzten Mal dort, Kapitän Barbillus, der mit seinem Stimmorgan immer noch hartgesottene Centurionen zum Weinen bringen konnte, die ganzen Caesoninus wohl vertrauten Matrosen und natürlich auch der Centurio Classicus Appius Icilius Ahenobarbus mit seinen Seesoldaten. Es war ein freudiges Wiedersehen, das mit vielen herzlichen Worten und Schulterklopfen über die Bühne ging. Die neuen Rekruten, die die Charybdis aus dem Westen für die syrischen Legionen herangeschafft hatte, staunten nicht schlecht, ehe sie an Land gingen, um zu ihren Bestimmungsgarnisionen im Hinterland zu marschieren.


    Genauso wie schon beim ersten Mal hatte die Überfahrt mit dieser brünftigen alten Dame von Schiff gut dreißig Tage gedauert. Es war für Caesoninus direkt ungewohnt, dass sie dieses Mal praktisch leer gefahren waren, da die Charybdis erst in Ostia wieder neue Legionäre aufnehmen würde, um im Anschluss gleich am nächsten Tag wieder Kurs nach Griechenland zu setzen. So war die Stammmannschaft des Schiffes unter sich und alles ging ein klein wenig lockerer und fröhlicher zu (zumindest, wenn Kapitän Barbillus gerade nicht anwesend war).


    Am letzten Tag der Reise stand Caesoninus mit angespannter Stimmung schon eine ganze Weile im Bug des Schiffes, ehe es endlich geschah. Am Horizont kamen die Umrisse Ostias in Sicht! Ostia! Italien! Caesoninus war endlich wieder zuhause! Er fing unfreiwillig zu grinsen an und konnte gar nicht mehr damit aufhören. Ostia war in Sichtweite, der Hafen seines vielgeliebten Roms.

    Natürlich dauerte es noch einige Stunden, bis die Charybdis tatsächlich im Hafen einlief. Der nun einsetzende Abschied von der Besatzung war im höchsten freundschaftlichen Tone, ehe Caesoninus sich umdrehte und die Planke hinunterlief. Er übersprang das letze bisschen und stand dann wieder auf italischem Boden neben seinem hier abgeladenen Gepäck. Dann drehte er sich um und blickte noch einmal zu dem majestätischen Schiff. Jetzt war er wirklich wieder ganz und gar ein privatus.


    Doch er wollte nicht allzu lange hier Zeit verschwenden, er atmete noch einmal tief durch, dann machte er auch schon am Absatz kehrt und lief los sich einen Fahrer und einen Wagen zu mieten. Dann kehrte er zum Kai zurück, lud sein Gepäck auf den Wagen und ließ den Lenker in Richtung Stadttor fahren. Heute würde er nicht mehr nach Rom fahren, sondern in der iulischen Villa hier in Ostia bleiben wollen.


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