Kommentar über gängige Strafen im zivilen Verfahren von Sextus Aurelius Lupus

    • Offizieller Beitrag

    Das römische Recht kennt verschiedene Strafformen. Generell gilt, dass die Strafe nicht nur der Tat angemessen sein muss, sondern auch sowohl den Stand und die Ehre des Opfers, als auch Stand und Ehre des Täters berücksichtigt.


    Hochrangige Personen (Honestiores) werden anders bestraft als niederrangige Personen (Humiliores). Peregrini werden härter bestraft als Römer, Unfreie Personen werden härter bestraft als Freie.

    Maßgeblich für die Verurteilung ist der Stand zum Zeitpunkt der Tat, nicht derjenige zum Zeitpunkt der Verurteilung


    Von hohem Stand sind Patrizier, Mitglieder des Ordo Senatorius, Mitglieder des Ordo Equester, Mitglieder des Ordo Decurionum, sowie ihre Angehörigen, Kinder und Ehepartner. Veteranen der römischen Legionen erhalten den Rang eines Honestiores bei einer ehrenhaften Entlassung.

    Strafen, die gegen Honestiores verhängt werden, bedürfen vor ihrer Vollstreckung der Bestätigung durch den Kaiser, den Praefectus Urbi oder den Statthalter der Provinz, in der die Straftat begangen worden ist.

    Wem ein Rang aberkannt wurde, kann sich nicht auf seinen Stand als Angehöriger einer Person von hohem Stand berufen.


    Ebenso gibt es Strafhindernisse, die eine Aufschiebung der Strafe oder die gänzliche Unfähigkeit einer Bestrafung nach sich ziehen. Schwangere dürfen weder gefoltert, noch hingerichtet werden, da das Leben, das sie austragen, keine Schuld an der Tat der Mutter trägt.

    Wahnsinnige und Kinder können nicht verurteilt werden, da ihnen die Einsichtsfähigkeit fehlt, das Unrecht ihrer Tat zu verstehen. Zudem stehen Kinder unter dem Schutz der Götter, während Wahnsinnige von ihnen bereits gestraft wurden.

    Ebenfalls gilt der Grundsatz, dass eine Jungfrau nicht getötet werden darf. (Dies ist unter anderem ein Grund, warum Vestalinnen, selbst wenn sie ihre Keuschheit verloren haben, nicht hingerichtet werden, sondern mit Wasser und Nahrung verschlossen werden.)



    Das Römische Recht kennt folgende Strafen:


    Sühneopfer

    Eine der leichtesten Formen der Bestrafung ist die Wiedergutmachung der Straftat durch ein öffentliches Sühneopfer. In vielen Fällen kann der Täter so eine weitere Gerichtsverfolgung schon verhindern, indem er von selbst diesen Schritt anbietet und geeigneten Gottheiten, gegen deren Willen er mutmaßlich gehandelt hat, so wieder besänftigt. Das Sühneopfer kommt nur bei leichten Straftaten in Betracht, bei denen spätere Rache unwahrscheinlich ist und der Geschädigte dem zustimmt.


    Geldstrafen

    Es gibt verschiedene Formen der Geldbußen, die je nach Art der Tat und Status des Täters in Betracht kommen. Geldbußen, die mit einem Festbetrag festgeschrieben sind, können auch sogleich entrichtet werden, so dass die Tat ohne Belastung der Gerichte entsühnt werden kann.

    Darüber hinaus gibt es noch Vermögensstrafen die sich auf das Gesamtvermögen des Verurteilten beziehen und so weit gehen können, dass einem Verurteilten sein gesamtes Vermögen entzogen und dem Aerarium zugeführt werden kann.

    Üblicherweise erhält das Aerarium den geschuldeten Betrag, damit er dem gesamten römischen Volk zugute kommt. Die Belohnung des Geschädigten ist die Genugtuung, den Täter bestraft zu sehen. So soll verhindert werden, dass Klagen eingereicht werden, weil Personen sich selbst bereichern wollen.

    Über die reine Geldstrafe hinaus kann ein Richter allerdings noch ein Bußgeld verhängen, das dem Geschädigten gezahlt wird.


    Beispiele für Geldstrafen finden sich bei Fällen von Sachbeschädigung, wo je nach Vergehen und Schwere der Tat der doppelte oder der vierfache Wert der Ware erstattet werden muss. Ähnlich verhält es sich für das Vergehen des Diebstahls, sofern er tagsüber begangen wurde.

    Auch Fälle von Ehrbeleidigung, übler Nachrede und vergleichbaren Delikten werden häufig, sofern sie von Honestiones begangen wurden, mit Geldstrafe gesühnt.



    Körperstrafen

    Das Spektrum der Körperstrafen umfasst diverse Bestrafungen. Am gebräuchlichsten sind das Schlagen mit Ruten, mit Stöcken oder mit der Peitsche.

    Da diese Strafen mit einer Ehrminderung verbunden sind, werden sie üblicherweise nur an Humiliores ausgeführt.

    Es kann niemand in einem Zivilprozess dazu verurteilt werden, zu Tode gepeitscht oder geschlagen zu werden, wenngleich bei einer hohen Anzahl von Schlägen manche Personen versterben. Dennoch wird immer eine feste Zahl an Schlägen vom Richter vorgeschrieben. Die niedrigste zu verhängende Strafe hierbei sind drei aufeinanderfolgende Schläge. Geht eine Strafe über die Zahl von zwanzig Schlägen hinaus, wird sie üblicherweise aufgeteilt und an verschiedenen Tagen vollstreckt.

    Im militärischen Bereich hingegen gibt es sehr wohl Körperstrafen, die bis zum Tod des Delinquenten durchgeführt werden.


    motio ordine

    Die „motio ordine“ bezeichnet den Verlust des Standes einer Person. Dies kann in Kombination mit anderen Strafen verfügt werden, oder auch für sich allein genommen als Strafe insbesondere vom Kaiser verhängt werden.

    Die Auswirkungen hierfür sind unterschiedlich, so dass auch bisweilen freiwillig auf einen Stand verzichtet wurde. So kann ein Patrizier zum Plebejer werden, um den standesrechtlichen Vorschriften hinsichtlich Vermögen und Eigentum (beispielsweise die Beschränkung auf landwirtschaftliche Betriebe) oder auch Ehehindernisse (z.B. Heirat einer Freigelassenen) zu entkommen.

    Im allgemeinen aber gilt dieser Vorgang als ehrmindernd.

    Strafrechtliche Konsequenz hat dieser Vorgang insbesondere dann, wenn so der Status als „Honoestior“ hierdurch verloren geht, da in diesem Fall die Rechte, die mit diesem Stand einhergehen, ebenfalls verloren gehen.

    Am weitreichesten ist der Ehrverlust, wenn die Person durch dieses Urteil infam wird. Infame Personen gelten als ehrlos und sind daher von den meisten Klagemöglichkeiten vor Gericht ausgenommen. Sie können nicht testieren oder als Zeugen für rechtliche Prozesse berufen werden, ebenso sind ihre Zeugenaussagen vor Gericht nur eingeschränkt wirksam. Desweiteren sind sie von allen öffentlichen Ämtern ausgenommen und verlieren das Recht, eine gültige Ehe einzugehen.


    Damnatio ad opus metallicum

    Die Verurteilung zu Arbeit bei den Minen ist nicht gleichbedeutend mit der Verurteilung zu den Minen/Salinen. Die Verurteilung zu Arbeit bei den Minen hat eine Höchstdauer von 10 Jahren. Wenn kein Zeitrahmen angegeben wurde, wird angenommen, dass diese Dauer gemeint ist.

    Die Strafe wird von der Nebenstrafe des servitus poenae begleitet, durch die der Verurteilte seine Rechtsfähigkeit verliert und, da er seinen libertatis-Status verloren hat, jede Ehe von Amts wegen aufgelöst wird. Im Gegensatz zur Damnatio ad metalla wird hierbei jedoch nicht sein gesamtes Vermögen eingezogen, sondern er erhält es nach Verbüßung seiner Schuld wieder. Ebenso wird der Verurteilte nur mit leichten Ketten belegt, was eine weitestgehende Bewegungsfreiheit innerhalb seiner Strafeinheit bedeutet.

    Frauen, die während ihrer Verurteilung hier ein Kind gebären, vererben diesem dennoch ihren Status, wie wenn sie frei gewesen wären, so dass diese Kinder auch frei geboren werden.

    Während der Zeit der Strafe sind die Bürgerrechte der verurteilten Person ausgesetzt, werden aber nach Ablauf der Strafe wieder zurückerstattet.


    Üblicherweise wird eine Strafe, die eigentlich auf “ad metalla“ lauten müsste, auf diese Strafe abgemildert, wenn mildernde Umstände vorliegen.


    Damnatio ad metalla

    Die Verurteilung zu den Minen ist schwerer als die Verurteilung ad opus metallicum. Sie kann in Variationen erfolgen, so dass neben den Eisen-, Kupfer-, silber- und Goldminen auch zu den Salinen oder zu den Steinbrüchen gleicherweise verurteilt werden kann. Den genauen Ort legt der zuständige Statthalter der jeweiligen Provinz je nach den Gegebenheiten eben jener Provinz fest.

    Die Verurteilung hat eine Höchstdauer von 10 Jahren. Wird kein genaues Strafmaß vom Richter verfügt, so wird angenommen, dass die Höchstdauer verhängt wurde.

    Die Strafe wird von der Nebenstrafe des servitus poenae begleitet, durch die der Verurteilte seine Rechtsfähigkeit verliert und, da er seinen libertatis-Status verloren hat, jede Ehe von Amts wegen aufgelöst wird. Ebenso wird das gesamte Vermögen des Verurteilten der Staatskasse zugeführt.


    Die Verurteilten werden an ihrer Arbeitsstätte mit schweren Ketten festgekettet. Dort sind sie der Gnade der Vorarbeiter und Aufseher unterworfen, die das Recht haben, sie zu schlagen, auszupeitschen oder mit glühenden Eisen zu bestrafen, wenn sie ihrer Arbeit nicht im gewünschten Maße nachkommen.

    Im Allgemeinen sterben die Verurteilten aufgrund der Bedingungen vor Ablauf ihrer Strafe.

    Diese Strafe, die im Vergleich zur damnatio ad bestias (die in der Praxis eine poena capitis (Todesstrafe) ist) ein quid minus (Strafmilderung) darstellt, wird bei weniger schweren Vergehen oder bei Vorliegen einiger mildernder Umstände verhängt; in Bezug auf die Schwere rangiert sie unmittelbar nach der Todesstrafe und der summa supplicia. Wie andere gleich schwere Strafen kann sie nicht an Senatoren, Rittern und Dekurionen verhängt werden (für die unter sonst gleichen Bedingungen die Deportation gilt).


    Die Damnatio ad metalla wird von Digestes zu den summa supplicia gezählt.


    Damnatio ad bestias

    Die Verurteilung ad bestias wird üblicherweise im Zuge von Hinrichtungen bei öffentlichen Spielen vollstreckt. Der Verurteilte wird hierbei wilden Tieren vorgeworfen, entweder als Teil eines Bühnenbildes zur Nachstellung einer Geschichte, oder auch zum Kampf gegen Tiere. Manchmal werden die so zum Tode verurteilten auch gemeinsam wilden Tieren vorgeworfen. Die genaue Ausführung obliegt hierbei dem Ausrichter der Spiele und wird nicht vom Richter festgesetzt.

    Ein Überleben dieser Strafe ist sehr unwahrscheinlich, in der Praxis stellt diese Strafe ein Todesurteil dar. Gängige Tiere zur Vollstreckung sind Löwen, Wildschweine und Stiere, aber prinzipiell ist jedes Tier möglich.

    Wie andere gleich schwere Strafen kann sie nicht an Senatoren, Rittern und Dekurionen verhängt werden (für die unter sonst gleichen Bedingungen die Deportation gilt).

    Die Damnatio ad bestias wird von Digestes zu den summa supplicia gezählt.


    Damnatio ad ferrum[

    Die Verurteilung ad ferrum wird üblicherweise im Zuge von Hinrichtungen bei öffentlichen Spielen vollstreckt. Der Verurteilte wird hierbei gezwungen, gegen andere Verurteilte zu kämpfen, bis er stirbt. Die verurteilten tragen hierbei üblicherweise keine Rüstung. Entweder muss dabei ein Verurteilter so lange gegen neue Gegner kämpfen, bis er selbst besiegt wird, oder es treten viele Gegner gleichzeitig gegeneinander an. Kampfunwillige Verurteilte werden dabei durch Peitschenhiebe oder durch Feuer zum Kampf gezwungen.

    Üblicherweise gibt es hierbei keine Aussicht auf Rettung, da ein Verurteilter notfalls bei mehreren Spielen antreten muss, bis er besiegt wird, oder am Ende von einem professionellen Kämpfer hingerichtet wird. In seltenen Fällen kann aber auch der letzte Überlebende begnadigt werden, nachdem ihm ein deutliches Zeichen auf den Körper gebrannt wurde, das ihn als verurteilten Straftäter kennzeichnet. (Üblicherweise ein N für Noxius)

    Wie andere gleich schwere Strafen kann sie nicht an Senatoren, Rittern und Dekurionen verhängt werden (für die unter sonst gleichen Bedingungen die Deportation gilt).


    Damnatio ad gladium

    Die Damnatio ad gladium stellt eine Variante der Damnatio ad ferrum dar. Hierbei muss der Verurteilte ohne Chance auf Rettung allerdings gegen einen ausgebildeten Gladiator kämpfen, anstatt gegen andere Verurteilte.


    Damnatio ad ludum gladiatorum

    Die Damnatio ad ludum gladiatorum stellt eine weitere Variante der Damnatio ad ferrum dar. Hierbei wird der Verurteilte zu einem Leben als Gladiator verurteilt, mit allen damit einhergehenden Einschränkungen wie Infamie und Sklaverei.

    Diese Strafe stellt ein quid minus dar und wird bei weniger schweren Vergehen oder bei Vorliegen einiger mildernder Umstände verhängt. Im Gegensatz zu einer Verurteilung ad ferrem kann der Verurteilte hier darauf hoffen, nach einigen Siegen als Gladiator begnadigt zu werden und freigelassen zu werden mit den üblichen Einschränkungen, die Gladiatoren auferlegt sind.



    Capitis Amputatio

    Die Enthauptung ist eine der gängigsten Todesstrafen. In aller Regel wird sie mit der Axt oder dem Beil durch den Carnifex ausgeführt, allerdings kann der Richter auch ein anderes Instrument hierfür bestimmen.

    Bis auf sehr seltene Ausnahmefälle kann diese Strafe nicht an Senatoren, Ritter und Dekurionen verhängt werden.

    Wie bei allen öffentlich vollführten Todesstrafen (ad furcam, ad crucem) geht der Vollstreckung ein genau festgelegtes Ritual voraus. Der nackte Verurteilte muss den Weg der Schande durch die Straßen zur Hinrichtungsstätte gehen. Dabei sind seine Hände auf dem von der Furca gebeugten Rücken gefesselt, er wird mit Peitschenhieben vorangetrieben. Die schaulustige Menge darf ihn beschimpfen und mit Unrat bewerfen. Danach wird er an einen Pfahl gefesselt und gegeißelt. Abschließend streckt man ihn auf dem Boden aus und enthauptet ihn.

    Bei Frauen entfällt im Allgemeinen die Geißelung der Verurteilten.

    Die Capitis Amputatio wird von Digestes zu den summa supplicia gezählt.


    Laqueo gulam frangere

    (Wörtlich übersetzt: Mit einer Schlinge die Kehle brechen)

    Das Erdrosseln ist eine nicht-öffentliche Hinrichtungsform. Sie wird in Rom im Carcer Tullianus vollstreckt, wo der Verurteilte in eine spezielle Kammer zum Carnifex durch ein Loch im Boden herabgelassen wird und dort von diesem mit einer Schlinge erdrosselt wird. Die Leiche eines so Hingerichteten wird anschließend häufig öffentlich ausgestellt und dem Volk überlassen. Nur bei Feinden des römischen Reiches wie Anführern aufständischer Gruppen wird dieses Urteil öffentlich vollstreckt

    Aufgrund seiner Diskretion wird dieser Tod üblicherweise nur Ehrenmännern zuteil, oder Frauen, deren Familien man schonen möchte.


    Damnatio ad furcam

    Die Damnatio ad furcam wird so genannt wegen der gabelförmigen Form des Holzstückes, an welches die Verurteilten gebunden werden. Üblicherweise erfolgt der Tod hierbei durch Erhängen. Dem Verurteilten werden die Hände an ein patibulum gebunden, welches um ihren Hals gelegt ist. Daran werden sie den Richtpfahl hinaufgezogen und aufgehängt, bis der Tod eintritt.

    Vor der eigentlichen Vollstreckung werden die Verurteilten ausgepeitscht oder anderer Folter unterworfen, die ihrem Verbrechen angemessen ist.

    Der Tod hier gilt als schmerzvoll und ehrlos. Die Strafe, insbesondere das vorangehende Auspeitschen, wird nur an Humilitores, Peregrini oder Sklaven verhängt.

    Üblicherweise werden so Räuber bestraft und an dem Ort gehängt, an dem sie ihr Unwesen trieben.

    Die Damnatio ad furam wird von Digestes zu den summa supplicia gezählt.


    Damnatio in crucem

    Die Damnatio in Crucem stellt eine besondere Variante der Damnatio ad furcam dar. Der Verurteilte wird hierbei wie bei der Damnatio ad furcam zunächst ausgepeitscht oder anderweitig gefoltert und dann mit den Händen an einen Balken entweder gefesselt oder genagelt. Anschließend wird der Balken an dem Richtpfahl befestigt, wo der Verurteilte dann bis zum Eintritt seines Todes hängt.

    Der Tod gilt als besonders schmerzhaft und langsam. Ein Eintreten des Todes erst nach mehreren Stunden, bisweilen mehr als einem Tag, ist üblich.

    Diese Strafe wird nicht an römischen Bürgern vollzogen, sondern lediglich an Sklaven und Personen ohne römisches Bürgerrecht.

    Die Damnatio in crucem wird von Digestes zu den summa supplicia gezählt.


    Vivi Crematio

    Mit die schmerzhafteste Todesstrafe stellt die Verurteilung Vivi Crematio, also das Verbrennen bei lebendigem Leib, dar. Üblicherweise wird diese Strafe im Zuge der Hinrichtungen bei Zirkusspielen vollstreckt, aber auch Vollstreckungen außerhalb von Spielen sind möglich. Die einfachste Variante bildet das Festbinden des Verurteilten auf einem Scheiterhaufen, üblicherweise an einem Pfahl, und dann das Anzünden des Scheiterhaufens dar. Es gibt aber auch Variationen, bei denen der Verurteilte in leicht brennbare Kleidung gesteckt und direkt angezündet wird. Auch szenische Darstellungen wie Ixion auf dem Feuerrad sind möglich. Die genaue Ausgestaltung obliegt in dem Fall dem Ausrichter der Spiele.

    Diese Strafe wird üblicherweise bei Brandstiftern, die innerhalb der Stadt agierten, verhängt, damit sie selbst die Schmerzen ihrer Opfer erleiden.

    Wie andere gleich schwere Strafen kann sie nicht an Senatoren, Rittern und Dekurionen verhängt werden (für die unter sonst gleichen Bedingungen die Deportation gilt).

    Die Vivi Crematio wird von Digestes zu den summa supplicia gezählt.




    Poena cullei

    Für den Mord an Verwandten, insbesondere des eigenen Vaters oder des Patrons, sieht die Lex Pompeia de parricidis die Strafe des Säckens vor, und zwar unabhängig vom Stand des Verurteilten.

    Der Verurteilte bekommt hierfür einen Beutel als Wolfshaut über den Kopf gestülpt und erhält Holzschuhe an seine Füße. Anschließend wird er mit den Virgis Sanuinis („blutrote Ruten“) ausgepeitscht. Zuletzt wird er in einen Sack aus Ochsenleder mit einigen Tieren eingenäht. Die gängigste Kombination aus Tieren ist eine Schlange, ein Hahn, ein Affe und ein Hund, aber auch Skorpione und Katzen wurden schon mit dem Verurteilten im Sack eingenäht.

    Der Sack mit allem, was darin ist, wird anschließend in einem Fluss oder im Meer versenkt.

    Diese Strafe stellt die schlimmste Schande dar, der ein Römer ausgesetzt sein kann




    Im Gegensatz zu diesen Strafen, die hauptsächlich die Humiliores, Peregrini und Sklaven betreffen, werden folgende Strafen an Honestiores ausgesprochen:



    Relegatio

    Die Relegatio stellt die mildeste Form der Verbannung dar. Sie geht ohne einen Ehrverlust einher. Grundsätzlich behält der Verbannte sein Bürgerrecht und sein Vermögen, wobei auch Teile, äußerst selten auch das gesamte Vermögen eingezogen werden kann.

    Die Relegatio kann so verhängt werden, dass sich der Verurteilte daraufhin an einen bestimmten zu benennenden Ort begeben muss. Es ist aber auch die Verhängung als interdictio certorum locorum möglich, wo nur der Aufenthalt an bestimmten Orten verboten wird, beispielsweise Rom oder eine ganze Provinz, den übrigen Aufenthaltsort aber frei wählbar lässt.

    Grundsätzlich ist es einer mit der Relegatio belegten Person verboten, sich in Rom aufzuhalten oder in derselben Provinz wie der Kaiser.

    Die Relegatio wird in folgenden Abstufungen verhängt:

    Relegatio ad tempus, für die Dauer zwischen 6 Monaten und 10 Jahren, die zuvor festgelegt werden. Nach Ablauf der Strafe kann der Verurteilte wieder zurückkehren.

    Relegatio perpetua, also die Verbannung für immer oder bis zur Begnadigung durch den Kaiser.

    Relegatio in insulam, wodurch der Verurteilte auf eine Insel verbannt wird.

    Verstößt der Verurteilte gegen seine Verbannung, wird er mit der jeweils nächsthöheren Stufe bestraft. Ein auf Zeit Verbannter wird zeitlich unbegrenzt verbannt, ein für immer Verbannter wird auf eine Insel verbannt. Ein auf eine Insel Verbannter, der gegen seine Verbannung verstößt, wird mit Deportatio bestraft.

    Die Strafe besteht auch über den Tod hinaus fort, so dass die Überführung der sterblichen Überreste der Erlaubnis des Kaisers bedarf.

    Zuständig für die Verhängung der Relegatio sind neben dem Kaiser der Senat, der Praefectus Urbi und der Praefectus Praetoria, sowie die Provinzstatthalter, wobei letztere nur den Aufenthalt in ihrer Provinz verbieten können.

    Die Relegatio wird von Digestes zu den summa supplicia gezählt.


    Deportatio

    Die Deportatio stellt die harte Form der Verbannung dar. Der so Verurteilte wird, auch gewaltsam, auf eine Insel verbracht, wo er sein restliches Leben verbringen muss. Er verliert seinen Status als Bürger sowie sämtliche Titel. Damit einher geht die Beendigung der väterlichen Gewalt, sämtlicher Agnations- und Cognations-, Tutel- und Patronatsverhältnisse, sowie die Fähigkeit zur Testamentserrichtung und die Fähigkeit aus Testament oder Legat etwas zu erwerben. Ebenso wird das gesamte Vermögen des Verurteilten eingezogen. Lediglich die pannicularia (seine Kleider am Leib und kleine Dinge von geringem Wert) verbleiben ihm.

    Kinder und Adoptivkinder erhalten einen Teil der einzuziehenden Güter als Abfindung für das verlorene Erbe. Eine Ehe nach ius civile gilt als aufgelöst, dennoch muss zur Herausgabe der Dos der Ehefrau die Scheidung offiziell eingereicht werden, da sie sonst ebenfalls konfisziert werden kann. Schenkungen, die der Verbannte an seine Ehefrau vor der Verurteilung in casum deportationis (im Falle der Deportation) getätigt hat, bleiben gültig.

    Ein Deportierter, der gegen seine Verbannung verstößt, wird mit dem Tod bestraft. Lediglich der Kaiser kann die Strafe durch Begnadigung aufheben, wodurch der Zurückkehrende kraft postlliminium seine frühere zivilrechtliche Stellung wiedergewinnt.

    Die Strafe besteht auch über den Tod hinaus fort, so dass die Überführung der sterblichen Überreste der Erlaubnis des Kaisers bedarf. Ebenso bedarf die Beerdigung eines Deportierten der ausdrücklichen Zustimmung des Kaisers.

    Zuständig für die Verhängung der Deportatio ist neben dem Kaiser der Praefectus Praetoria, sofern der Kaiser ihn für zuständig erklärt auch der Praefectus Urbi. Die Provinzstatthalter können die Deportatio nur beantragen, so dass der Kaiser letztendlich entscheiden und den künftigen Aufenthaltsort bestimmen muss.

    Die Deportatio wird von Digestes zu den summa supplicia gezählt.



    Abschließende Bemerkungen:

    Auch, wenn die Todesstrafe über einen Verurteilten verhängt wurde, wird diese nicht immer öffentlich vollstreckt.

    Inbesondere Frauen werden üblicherweise ihren Familien übergeben, so dass diese die Strafe im familiären Rahmen umsetzen können. Früher fand dies statt, indem die Verurteilte in ein Zimmer verschlossen und dort dem Hungertod überlassen wurde, der als die gnädigste Form der Todesstrafe gilt. Zu unserer Zeit wird eine Frau aber eher durch erdrosseln getötet, üblicherweise nicht durch den Carnifex, sondern durch einen Sklaven des Hauses, seltener durch einen hinzugerufenen Tresvir Capitalis. Letzterer muss in jedem Fall ihren Tod bestätigen.

    Auch Männer können aus Respekt vor deren Vater in die Obhut eben jenen übergeben werden, damit dieser ebenfalls der Schande einer öffentlichen Hinrichtung zuvorkommen kann und den eigenen Sohn richtet. Üblicherweise erfolgt hierbei der Tod durch Rutenschläge des Vaters gegenüber dem Sohn.



    Der Kaiser kann ebenso einem Honestior den Selbstmord nahelegen. Dies ist nicht mit einem Gerichtsurteil gleichzusetzen, sondern eher zur Umgehung eines eben solchen aus Respekt vor der Person der zu verurteilenden zu verstehen. Dieser Tod kann auf römische Art durch öffnen der eigenen Adern im Kreise der Familie und Freunde begangen werden und hat weder einen Ehrverlust, noch den Verlust von Vermögen zur Folge.


    Solange ein Urteil in einem schwebenden Prozess noch nicht gesprochen wurde, kann sich der Angeklagte einem möglichen Urteil durch freiwilliges Exil entziehen. Er kann diese Maßnahme selbst dem Gericht anbieten, oder aber sich in aller Stille einfach entziehen, wobei letzterer Weg als feige angesehen wird, ersterer Weg hingegen dem Angeklagten seine Ehre weitestgehend erhält.

    Der Akt des Exils, also die freiwillige Annahme einer nicht-römischen Staatsbürgerschaft gilt gleichzeitig als Aufgabe des eigenen Status als römischer Bürger mit allen damit einhergehenden Konsequenzen, wie die Unfähigkeit zu einer Ehe nach ius civile und die Unfähigkeit, zu testieren oder ein Testament oder Legat anzunehmen.

    Kehrt der Betroffene nach Rom zurück, kann er lediglich dann seine Bürgerrechte per postliminium zurückerhalten, sofern der Senat seiner Rückkehr zuvor zustimmt. Dies ist allerdings nur möglich, wenn gegen ihn nicht zuvor durch den Praetor die interdictio aquae et ignis verhängt wurde.

    Die interdictio aquae et ignis (Untersagung von Wasser und Feuer) verbietet es jedem römischen Bürger, die damit behängte Person in das Haus aufzunehmen, ihr Nahrung oder Wasser zu gewähren oder ihr sonstwie Hilfe zu leisten. De facto ist diese Person aus dem gesamten römischen Bereich verbannt und muss sich in einer Stadt mit Exilrecht aufhalten. Bei Rückkehr oder Verstoß gegen die Verbannung aus dem römischen Bereich droht die Todesstrafe. Die interdictio aquae et ignis unterscheidet sich nicht maßgeblich von den Folgen der Deportatio in insulam.


    Die andere Möglichkeit, sich einem drohenden Urteil zu entziehen, ist der ehrenhafte Selbstmord. Begeht ein Angeklagter vor Verkündigung des Urteils Selbstmord, wird dies nicht als Schuldeingeständnis gewertet. Sein Vermögen bleibt intakt und wird vollumfänglich an seine Erben verteilt, ebenso wie er das Recht auf eine Bestattung behält wie jeder andere Bürger. Dieser Weg wird durchaus als ehrenvoll gesehen, sofern der Angeklagte auf aufrechte Art aus dem Leben schied. Als ehrenvoll gilt das Öffnen der Pulsadern oder der Sturz in das Schwert. Gift kann bei Frauen akzeptiert werden, gilt aber als unrömisch. Ein Tod durch Erhängen, gleich ob selbst induziert oder von anderen, gilt hingegen in jedem Fall als entehrend.


    Darüber hinaus gibt es auch Fälle, in denen Selbstjustiz auch vor dem Gesetz nach wie vor erlaubt ist. So darf der Dieb, der Nachts in ein Haus einbricht, vom Hausbesitzer straflos erschlagen werden. Wird tagsüber ein bewaffneter Dieb angetroffen, muss hingegen der Hausbesitzer schreien und die Nachbarn als Zeugen hinzurufen, wenn er den Dieb erschlagen hat, damit die Rechtmäßigkeit seiner Tat bezeugt werden kann.

    Nach der Lex Iulia de adulteriis coercendis darf der Ehemann ebenso einen Ehebrecher niederen Ranges straffrei töten, der Vater der Ehebrecherin sogar den Ehebrecher und seine Tochter, sofern sie auf frischer Tat in seinem Haus erwischt wurden und er die Tat anschließend dem Praetor anzeigt.


    Desgleichen gibt es auch nach wie vor die Möglichkeit eines Hausgerichtes durch den Pater Familias über die ihm unterstehenden Personen. Es ist üblich, dass der Inhaber der Patria Potestas Verwandte und Nachbarn in einem Consilium zusammenruft, ehe er Recht in seinem Hause spricht, aber es besteht keine Verpflichtung hierzu.


    Insgesamt gilt immer, dass jede Tat erst einen Ankläger benötigt, der sie vor Gericht bringt. Ohne eine Anklage vor einem Gericht bleibt jede Tat straffrei, worum es sich auch handeln mag.