[tirocinium]Ausbildung; Ausrüstung, Handhabung etc. ect.

  • " LOS BEWEGT EUCH!!!!" Wecken vom feinsten. " Raustreten mit der kompletten Ausrüstung, die ihr erhalten habt!! Anzugsordnung Tunika, calligae!! " Heute sollten sie nach der Lauferei erst einmal lernen, wie und was sie da anzogen. Für was es gut war und wie die Teile in Ordnung gehalten wurden. " IN ACIEM VENITE !!!" brüllte der Decurio über den Platz. " Ich möchte vor jedem Tiro eine Paket mit seiner Ausrüstung sehen. Fein säuberlich aufgestapelt." Kurz bellte er das nächste Kommando über den Platz. " SARCINAS DEPONITE!!" Der Decurio hatte sich auf gebaut, die geballten Fäuste in die Seiten gestemmt. In der rechten Faust die Vitis.



    IN ANCIEM VENITE - in Linie antreten

    SARCINAS DEPONITE - Gepäck ablegen

  • Alexandros hatte gerade geträumt, dass er mit seines Vaters Sklavin Anippe sprach, als der Weckruf in sein Bewusstsein drang. Er schaute sich in der Stube um. Seine Kameraden erhoben sich, räusperten sich, spuckten; liefen, um ihr Wasser abzuschlagen und kehrten wieder, und er tat es ihnen nach.

    Shoadu, dessen Lateinkenntnisse rudimentär waren, fragte, in dem er in seine Gossensprache verfiel: “Was labert der Kerl?”, und presste sich die Fäuste gegen die Schläfen.

    “Erwartest du einen Übersetzer?”, fragte Hairan: “In Linie antreten mit dem ganzen Krempel, den wir bekommen haben!”

    Er war fertig, trug bereits Tunika und Calligae; und hatte seine Ausrüstung so geschickt ineinander gelegt, dass er alles mit beiden Händen tragen konnte beziehungsweise er benutzte seine Hasta* als Tragestange und seine Parma** umgedreht als Trage.

    Shoadu geriet in Panik, und diesmal war es sein Bruder Heliodoros, der ihm packen half. Auch Alexandros räumte noch sehr verschlafen sein Zeug zusammen und wankte zur Tür

    Ironisch lächelnd wartete Hairan an der Tür: “Kommt ihr, Mädels!”, spottete er. Alexandros hätte gerne etwas erwidert, hatte aber keinen Atem für Worte. Außerdem beneidete er den Nabatäer glühend um seine überlegene Art.

    Sie stolperten mehr als das sie gingen nach draußen.

    Yussuf rannte noch einmal zurück, da er einen der iaculae ***vergessen hatte. ( Zu seinem Glück lag er auf seinem Bett), Soados schubste ihn zu den anderen.



    Mehr schlecht als recht formte das dritte Contubernium eine Reihe, und der einzige Trost war , dass es der zweiten auch nicht besser ging. Keiner hatte wirklich ausgeschlafen.



    Sim-Off:

    *große Lanze ** Rundschild ** *Wurfspieße

  • Was für ein armseliger Haufen. Wie standen sie da, wie ein Haufen Elend und Befehle in die Tat um zusetzen schien nur teilweise zu funktionieren. „ Ich will euch in einer Linie sehen nicht in einer Reihe !!!“ Er griff sich vom nächst besten Tiro einen der Wurfspeere und zeichnete eine Linie in den sandigen Boden. „ Das ist eine Linie !! Klar ?! An ihr stellt ihr euch nebeneinander auf. Einen ausgestreckten Arm weit auseinander !! Und dann legt ihr eure Sachen fein säuberlich vor euch hin. Das ist nämlich mit SARCINAS DEPONITE gemeint. Und alles ein bisschen plötzlich. Sonst üben wir das, bis es klappt.“ Der Decurio stellte sich 5 Schritte von der Linie entfernt auf und rief: "IN ANCIEM VENITE!!!!! SARCINAS DEPONITE!!!“ Während die Tirones Zeit hatten sich neu zu ordnen , zückte der Decurio eine Wachstafel. Auf ihr standen alle Bekleidungsstücke und Waffen, die die Neulinge erhalten hatten.


    „ Wenn ihr weiter so lahmarschig seid, schafft ihr es nicht mal in eure Hosen bevor die Parther euch abschlachten. Das ist nicht nur so dahin gesagt.“ Der Decurio meinte es sehr ernst damit. Die Parther waren gute Reiter und Kämpfer. Mit ihnen war nicht zu spaßen. Die nächsten Tage entschieden, wer sich alles für die Reiterei hier in der Wüste eignete. Für das, was auf die Neulinge zukam würden sie ihn auf ewig verfluchen, aber es rettete ihnen vielleicht einmal das Leben, weil sie einen Bruchteil, schneller, sicherer und geübter waren als ihr Gegner. „ Also fangen wir an, jeder sollte wissen was er alles bei sich hat. Die Sachen die ihr bekommen habt werden euch vom Sold abgezogen. Ergo solltet ihr auf sie achten und sorgsam damit umgehen.“ Er sah auf die Tabula. „ Alles, was ich benenne wird vom Stapel genommen und daneben neu aufgestapelt, wenn ich nichts anderes dazu sage.“


    „ SAGUM – Mantel !! Das Ding wird euch vor Sand, Wind und Kälte schützen.

    „ Einige haben eine PAENULA – Poncho bekommen, der macht das gleiche, ist beim Reiten aber meiner Meinung nach angenehmer.“

    „ TUNIKA – ist ja wohl allen klar.“

    „ CINGULUM – Gürtel !! Die Ala ist die einzige römische Einheit, die kein Cingulum militare trägt.

    „ CALIGAE – dürfte allen klar sein.“

    So, damit es euch nicht langweilig wird. Machen wir daraus ein, „ Was ist das? Von mir und ein „ Für was wird es gebraucht von euch.“


    „ HASTA - ………….


    „ SPATHA - ……………

  • Hairan und Alexandros waren diejenigen, die die Befehle auf Latein einigermaßen verstanden, und daher taten sie rasch, was der Optio befahl – in eine Linie aufstellen mit einer Armlänge Abstand., damit der Rest des Contubernium ihnen alles nachmachen konnte.

    Yussuf und die Bene Klaudias- Brüder imitierten hastig, was sie sahen. Ihre Sachen legten sie vor sich hin, in der Eile nicht so ganz feinsäuberlich wie es sein sollte.

    Als der Optio von den Parthern sprach, lief Alexandros ein Schauer über den Rücken.

    Im Gegensatz zu den gebürtigen Palmyrenern hatte er mit diesem Volk noch nie zu tun gehabt; aber es war der Feind, der so viele Seiten römischer Geschichte mit Blut beschrieben hatte. Roma war nun ihrer aller neue polis, und Romas Feinde nun auch die ihren.


    “Sagum! Paenula!” , lautete der Befehl, und Alexandros ergriff seinen Mantel und tat ihn auf die andere Seite. Danach seine Soldatenstiefel und die Tunika zum Wechseln. Er versuchte sich zu merken, was der Optio sagte. Das sie keinen Cingulum militare bekommen hatten, bedauerte er, das Klimperding machte etwas her, war allerdings vermutlich beim Reiten schlicht unpraktisch.


    “Hasta!” , rief der Optio, und die jungen Männer brüllten zurück: “Lanze zur Abwehr!”; oder zumindest etwas, das so ähnlich klang.

    “Spatha!” - “Unser Schwert!”

    Alexandros hätte noch dazu sagen können, dass die Spatha recht lang war und eine breite Klinge mit einer Bahn in der Mitte besaß, doch das herauszubrüllen wusste er nicht.

    Euxodos kannte übrigens alle Begriffe, obwohl er Duplicarius Zebida Ba'an damals gesagt hatte, er spräche kein Latein . Alexandros hielt ihn für einen vermutlich entlaufenen römischen Sklaven, aber was sollte es, einige der Kameraden hatten ihr Geheimnis, und er ja auch. Er war tauglich für die Ala gewesen, das war das einzige, was zählte. Und das man nicht rausflog, weil man sich zu blöde anstellte.

  • Das brachte nicht viel. Sie wussten zwar wie die Dinge hießen, aber die Lanze, das einfachste Kriegswerkzeug, das fast jeder kannte. Das nichts anderes war als ein Stock mit Spitze dran, war bestimmt nicht nur zum verteidigen. „Spatha, Schwert aha.“ murmelte der Decurio. Nein, so lief das hier nicht. „ SARCINAS SUMITE ! RETRO ! ABITE!“ Sie waren hier zum lernen, also sollten sie lernen. Der Decurio wartete bis alle in ihren Unterkünften waren. Dann brüllte er „ SARCINAS SUMITE! IN ANCIEM VENITE! SARCINAS DEPONITE!“ Ungeduldig lief er auf und ab. „ So, jetzt zu eurer Bekleidung. Was ich rufe das wird angelegt. CINGULUM!“ Das nächste Kleidungsstück „ SAGUM oder PAENULA!“ Als das durch war. „GALEA !“

    Er sah seinen Tirones zu bis sie fertig waren. „ ALLES wieder ablegen. SARCINAS SUMITE! RETRO! ABITE !“ Nach dem vierten Mal machte er Pause. Es war früher Nachmittag.


    „ TIRONES VENITE!“ Er hielt die Wachstafel hoch. „ Ihr habt nicht alle Kleidungsstücke, die ein Alen-Reiter haben sollte. Das wichtigste fehlt. Die Feminalia und ein Focale. Also Abmarsch und holen. Anzugsordnung Morgen. Feminalia, Tunika, Cingulum, Sagum, Calligae, Focale. Was Was ist möchte ich morgen von jedem einzelnen wissen.“ Die heutige Ausbildung war damit beendet.

  • Gepäck aufnehmen, zurück, antreten in Linie, Gepäck ablegen..., nun war keiner der Tirones mehr müde, hellwach waren sie, konzentriert und bei der Sache. Dann in die Unterkünfte und noch einmal antreten, und noch einmal von vorne. Diesmal klappte in aciem besser als beim ersten Mal, aber Alexandros verwechselte sumite und venite und zögerte mindestens eine Minute zu lange, bevor er beim Nebenmann abschaute, was gemeint war und mit gesenktem Kopf gleich weiter machte. Bestimmt war der Fehler dem Decurio nicht entgangen.

    „Was ist die Galea?“, flüsterte Yussuf neben ihm,; sie wollten lernen und sie mussten lernen, doch selbst diejenigen, die Latein konnten, hatten mit der Schnelligkeit der Befehle ihre Not.

    Hairan machte eine schnelle Fußbewegung in Richtung des Helms, und Yussuf grinste breit, als er das Ding über seinen Schädel zog.

    Das war das letzte heitere Gesicht an diesem Vormittag:

    Alexandros war der Morgen zunächst kühl vorgekommen, nun wurde ihm warm und er rot im Gesicht. Er war froh, als der Befehl kam, stehen zu bleiben und sich anzuziehen, er hatte allerdings nicht mit den Tücken der caligae gerechnet. Wenn er aufrichtig zu sich selbst war, hatte er sich als einziger Sohn eines reichen Synhodiarchos noch nie zuvor in seinem Leben Schuhe selbst zuschnüren müssen.

    Kaum hatten sie alles angelegt, kam der erneute Befehl zum Ablegen der Ausrüstung , und so ging es dreimal. Alexandros merkte, dass seine Oberschenkel anfangen wollten, zu zittern, er schnappte nach Luft, und er hatte nicht einmal mehr Zeit, sich um den Erfolg seiner Kameraden zu sorgen.

    Erst am frühen Nachmittag ließ der Decurio sie ein letzes Mal antreten und beendete das Training. Er befahl ihnen, sich jeder eine Feminalia und ein Focale im Magazin zu holen und dann waren sie erstmal freigegeben - vielleicht würden sie in die Thermen oder etwas zu essen zubereiten; Alexandros war freilich so erschöpft, dass er nicht einmal mehr Hunger hatte, sondern nur brennenden Durst.


    >>> Magazin

  • Sie liefen bis zum Campus. An dem einen Ende waren drei Haufen mit handgroßen Steinen. „ Ihr dürft jetzt Steine werfen. Jeder mindestens 10 Stück. So weit wie möglich. Einmal drei Leute, einmal vier Leute, stellt euch nebeneinander auf und los geht’s. Ein guter Rat von mir. Teilt euch die Kraft ein. Ihr müsst immer noch euer Spatha führen können.“ Nach der ersten Runde durften sie gleich noch einmal jeder 10 Steine werfen. Der Decurio sah ihnen genau zu. Einige stellten sich gar nicht so dumm dabei an. Die Muskeln im Wurfarm, dürften sich dann so langsam bemerkbar machen. „ Eine kurze Pause. Trinkt etwas.“ In der Zwischenzeit ging der Decurio zum ersten Steinhaufen, daneben lagen 10 flache Körbe, die man schultern konnte. Er kam mit einem zurück. „ Eure nächste Aufgabe ist. Eure 20 Steine wieder einzusammeln. Jeder bringt sie wieder zu dem Haufen von dem er sie genommen hat. Ich prüfe nach, ob alle Steine wieder hier liegen.“ Er wusste natürlich, dass das nicht zu Hundert Prozent nachvollziehbar war. Aber das störte ihn nicht. Er ging nach dem sie alle ihre Körbe entleert hatten nach hinten und rief. „ Alle mit den Körben hier her. Hier liegen noch einige Steine. Jeder macht seinen Korb noch mal voll.“ Kraft war gefragt und die sollten sie bekommen. Für die HASTA und die LACULA brauchten sie Kraft im Arm. „ So und jetzt nochmal das Ganze.“ Nach dem zweiten Durchgang gab es wieder eine Pause. Aber der Tag hatte noch ein paar Stunden. „ Das war es hier für heute. Milites in Linie Antreten ! MILITES IN ANCIEM VENITE!“ Dann kamen ein paar neue Kommandos dazu. „ Rechts um! AD DEXTRAM!“ Beim ersten Mal ging das immer nicht glatt. Also wiederholte er es ein paar Mal, bis es saß. Marsch! PERGITE! Der Decurio marschierte vorn weg in Richtung der Dromedargehege und ließ dort halten.

  • Oh, Steine werfen; da gab es schon einige, die kräftig und etwas älter als die Anderen waren, Yussuf, Shoadu, Soados , die freuten sich nun. Ein paar Steine werfen war wohl kein Problem! So hatte Yussuf früher oft die Ziegen seines Vaters dirigiert, er zielte nicht auf die Tiere natürlich, sondern dahin, wo Gefahr lauern konnte wie eine Schlucht, damit die Ziegen dort nicht hinliefen.

    Keiner dachte, dass sie am Ende des Tages Muskelkater an Stellen haben würden, an die sie vorher nicht einmal im Traum gedacht hatten wie an der Innenseite der Ellenbogen...

    "Das macht Spaß!", freute sich der große, kräftige Junge.


    Yussuf war aber auch wirklich ein guter Werfer; seine Steine flogen irre weit, und natürlich machte es ihm Spaß, alle anderen zu übertreffen, und er grinste breit.


    Nach zwanzig Steinwürfen war Pause.

    Alexandros klebte die Zunge am Gaumen. Gut, dass sie ihre Poscaflasche dabei hatten.

    Und als der Befehl kam, die zwanzig Steine wieder einzusammeln, lachte sich Apollodoros kaputt, denn jetzt musste der große, starke Yussuf mit seinem Korb am weitesten und kreuz und quer rennen. "Hättest dich mal  mal nicht so verausgabt.", meinte er, als Yussuf mit ziemlich rotem Kopf seinen Steinen nachjagte, aber Yussuf zuckte nur die Schultern.


    Alexandros guckte, dass er alle seine Steine wiederfand, denn er hatte das Gefühl, der scharfäugige Decurio würde sofort sehen, wenn er einen falschen Stein mitbrachte.


    Einmal stritt er sich sogar mit Euxodos, der behauptete, ein nahe liegengebliebener Stein wäre ganz sicherlich seiner; Euxodos war übrigens recht schlau, vor allen Dingen die Steine zu einzusammeln, die nicht so weit weggeflogen waren, worauf er nicht so genau Obacht gab, welche denn nun die seinen waren, und Alexandros ärgerte sich ein bisschen über ihn. Aber nur ein bisschen, zum Ärgern gab es nicht wirklich Zeit.


    Als alle Tirones mit den Steinkörben herantrabten und sie entleert hatten, sollten sie sie nochmal gefüllt werden und auf ein Neues begannen sie mit dem Training. Diesmal waren auch die Fans der Disziplin „Steinewerfen“ wesentlich weniger enthustiastisch bei der Sache.


    In der zweiten Pause waren alle ziemlich erschöpft.

    Alexandros versuchte sich, eine Locke aus der Stirn zu streichen und merkte, dass er seinen Wurfarm kaum mehr heben konnte. Ob er es morgen mal mit dem linken Arm versuchen sollte?


    Und der Tag war noch nicht vorbei. Der Befehl MILITES IN ANCIEM VENITE erklang und dann Ad dextram, wobei doch einige links und rechts verwechselten.

    Auch Alexandros bewegte sich beim ersten Versuch in die falsche Richtung.

    Rechts um wurde geübt, bis es klappte, danach Abmarsch….


    Die Tirones schauten schon ziemlich müde zu Boden, bis sie die seltsamen Geräusche, als würden große Tiere gleichzeitig gurgeln, blöken und aufstoßen, vernahmen. Sie näherten sich dem Dromedargehege.

  • Jeden Tag legten sie den Weg von den Unterkünften im Laufschritt zurück. So brauchten sie kein extra Lauftraining und die Zeit konnte effektiv für die Ausbildung genutzt werden. Nachdem sie die letzten Tage mit Unterbrechung Steine geworfen hatten und der Decurio der Meinung war, dass es reichte, fingen sie heute an ihre Waffen kennen zu lernen. Jeder hatte seine Wurfspeere/ LACULA in einer Lederhülle dabei. In ungefähr 10 Meter Entfernung standen vier Strohpuppen mit Schild. " Wer mit Steinen werfen kann, der kann auch die kurzen Wurfspeere werfen." Waren die einleitenden Worte des Decurio. " Seht zu wie man die Speere werfen kann." Er blieb stehen, nahm absichtlich keinen Anlauf. Im Kampf hatten sie den auch nicht. Sie saßen ja eigentlich auf ihrem Kamel. Die Speere steckten mit der Spitze in der Hülle. An ihrem Ende war ein kleiner runder Knauf (Speerschuh). Der Decurio zog einen am Knauf heraus und warf ihn, wie eine Axt, sich um sich selbst drehend auf die Strohpuppe. Der Speer kam durch seine Drehung und das Gewicht der Spitze von oben blieb schräg von Oben in der Strohpuppe kurz oberhalb vom Schild stecken. Das Gewicht der Spitze hatte sein übriges getan. " Oder ihr werft ihn so." Er nahm den Speer mit Griff in der Mitte und schleudert ihn mit gestrecktem Arm und leichter Körperdrehung geradewegs auf die Strohpuppe. Der blieb tief in der Puppe stecken. " So, die ersten vier vortreten. Zwei Speere. Dann die anderen vier." Das wurde vier mal wiederholt. Wie die Tirones warfen war dem Decurio egal. Die Variante, mit der sie am besten zurecht kamen sollten sie nutzen. Wichtig, war, dass sie sie Puppe trafen. " Die Speere werden erst geholt, wenn der letzte fertig ist und zwar im Laufschritt."  Am Mittag waren sie erlöst. Jetzt warteten die Kamele auf sie. " Im Laufschritt zurück zur Unterkunft. Esst etwas und ab zu den Kamelen. " 

  • Ooooh, ein Raunen ging durch die Menge der Tironen, als der Decurio sein iaculum so schleuderte, dass es sich einmal um sich selbst drehte und in der Puppe stecken blieb. Die Bewegung hatte leicht und flüssig ausgesehen und von tödlicher Präzision.

    Die andere Wurfart war geläufiger, fast wie ein Ball. Diesmal versank der Wurfspeer fast in der Atrappe.

    Dann warfen die Tirones. Unzählbar die Iacula, die an den Schilden abprallten und zu Boden fielen, bis jeder den Dreh heraushatte.

    Aber das tägliche Steinwurftraining hatte etwas gebracht, gerade der kleinere Apollodoros und auch Alexandros waren erstaunt, wie weit der von ihnen geworfene Speer doch getragen wurde. Noch vor ein paar Wochen hatten sie wesentlich weniger Kraft in den Armen besessen.


    Es ging bis Mittag. Meistens trafen die Wurfspeere jetzt ihr Ziel. Nicht immer da, wo sie sollten, aber als der Mittag kam waren die Strohpuppen gespickt wie Igel.

    „Die wären auf jeden Fall tot.“, sagte Apollodoros fast zufrieden. Hairan schaute ihn fast mitleidig an: „Hast du schon einmal einen kataphraktos auf dich zureiten sehen? Da dröhnt die Erde.“

    Alexandros verzog das Gesicht bei der Vorstellung. Er hatte die gefürchteten Panzerreiter noch nie zu Gesicht bekommen, doch er hatte Abbildungen von ihnen auf Säulen gesehen.

    Soados hob die Hand: „Eine Frage, Decurio.“, sagte er: „Wäre der Wurf nicht noch effektiver, wenn man so richtig Anlauf nehmen würde?“

  • Auf die Frage hin zog der Decurio die Augenbraue hoch. Sie war durchaus berechtigt, aber .... " Wenn du bei den Sandläufern unterwegs bist durchaus. Du vergisst aber, dass du auf einem Dromedar sitzt und von dort deinen ersten  Wurf hast. " Er sah die Tirones an und wartete ab. Vielleicht hatte noch einer eine Frage. " Überlegt euch, bevor ihr fragt, ob ihr euch die Frage nicht schon selbst beantworten könnt." Ja, sie sollten mitdenken. Das war ganz gut und ersparte viele Stunden zusätzlichen Trainings.

    Die ganze zeit stand der Decurio hinter ihnen und beobachtete die Jungs beim Werfen. Durchwachsen stellte er fest. Wie es halt so war. Der eine konnte gut werfen, der andere besser mit der Lanze oder dem Schwert umgehen. Die dritte Möglichkeit war der Bogen. Den bekamen sie als letztes. Der Bogen war der heimliche Favorit des Decurio. Hier im Osten wurde er sehr viel benutzt.

    Nun, mit der Zeit würde sich herauskristallisieren, wer mit was am besten umgehen konnte. Dementsprechend würde er dann die Gruppen zusammenstellen, wenn es das erste Mal nach draußen ging.


    Gestern die Wurfspeer, heute das Schwert. Abwechslung war der beste Weg, die Ausbildung nicht eintönig werden zu lassen. Heute ging es auf die andere Seite des Übungsplatzes. Hier waren acht Pfähle in die Erde eingelassen und ein Stück daneben stand ein Korb, in dem die Übungsschwerter aus Holz steckten. Die waren nicht nicht nur aus Holz, sie hatten einen Eisenkern. Damit waren sie etwas schwerer als die Spatha. " Milites in Linie antreten. Zuhören ! Heute übernimmt der Optio die Ausbildung."  Der Decurio winkte dem Optio, er könne beginnen. " Alsoooo.... heute geht es um das Schwert/ SPATHA. Jeder nimmt sich ein Übungsschwert aus dem Korb. Dann wieder hier antreten und zusehen was ich mache." Der Optio ließ die Tirones die Übungsschwerter holen. Dann trat er an einen Pfahl und begann auf ihn einzuschlagen. " Schlag von rechts. Schlag von links. Von oben rechts. Von oben links. Unten rechts, unten links. Stich." In dieser Reihenfolge schlug er auf den Pfahl.

    " Jeder übt die Abfolge um ein Gefühl für das Schwert zu bekommen. Und steht nicht wie Holzklötze da. Bewegt euch dabei. Die Beine sind wichtig, wenn ich vom Boden aus kämpft. " Er trat vom Pfahl zurück. " Tirones an die Pfähle. Los gehts."  Der Decurio war nicht gegangen. Er sah sich die ersten Übungen der Tirones an.

    Nach einer Weile rief der Optio " HALT! Jeder trinkt einen Schluck. Und jetzt das ganze auf Ansage. Also in alles in Stellung." Der Optio stellte sich vor die Tirones und begann. " Rechts! Links! .........." Alles in der Reihenfolge vier mal. " Pause. Danach eine weitere Runde mit Ansage." Bis zum Mittag. Dann ging es zurück in die Baracken.

  • Alexandros fand die Fragerei dagegen nicht schlecht. Denn wenn man sich selbst fragte, konnte man doch durchaus auch mal eine falsche Antwort bekommen.

    Jetzt würde er sich jedoch an Soados Frage erinnern und ja klar, die ganze Kraft musste aus dem Oberkörper kommen, weil man auf dem Dromedar saß.

    Zumindest beim ersten Wurf. Ob man dann absprang? Oder - o Schande - abgeworfen wurde?


    Apollodoros, das Scherzkeks, lachte sich kaputt über das Wort "Sandläufer", bis ihm sein Bruder Shoadu schubste. Alexandros verdrehte die Augen. Manchmal benahmen sie sich wie im Ludus litterarius.


    Aber dann: "Schwerter!", doch während der Anblick vor Wochen noch helle Begeisterung erweckt hätte, war nun eine gewisse Vorsicht in das Benehmen der Tirones getreten. Sie kannten doch ihren Decurio! Schwerter, das würde bedeuten, über Stunden und Wochen zu üben, immer das gleiche, bis man nicht mehr wusste, wo der eigene Arm aufhörte und der Schwertgriff begann.

    Zu allem Überfluss: Futue te* was waren die Dinger schwer!

    Der Optio hatte das Kommando übernommen:

    Schlag von rechts. Schlag von links. Von oben rechts. Von oben links. Unten rechts, unten links. Stich. Schlag von rechts. Schlag von links....

    Und diesmal am Boden durfte die Kraft auch aus den Beinen kommen.Nach einer Weile wurden sie aufgefordert, was zu trinken, dem kamen sie gerne nach:

    Und Schlag... Schlag...oben rechts.... oben links....


    Als Kind in Alexandria hatte Alexandros immer gerne etwas gesehen, was Automata hieß. Ein künstliches Ding, welches gewisse Bewegungen ausführen konnte. Eine metallene Taube, die mit den Flügeln schlug und Futter pickte. Die gleichmäßige Präzession der Dinger .... sollten ihre Schläge auch so werden?


    Weiter ging es bis zum Abend.




    Sim-Off:

    *Kraftausdruck  ** Automata in Alexandria

  • Ein neuer Tag ein neues Glück, ein neuer Ausbilder. Da der alte Ausbilder sich verletzt hatte übernahm nun ein neuer das Kommando und so brach das Unheil oder was auch immer in Form von Mamercus Poenius Phormio über die Jungs herein

    "Stillgestanden ihr faulen Mistkerle!" brüllte der Decurio als die Truppe vollzählig war und ging die Reihen auf und ab..

    "Willkommen in der Ausbildung. Ich habe die Ehre aus diesem jämmerlichen Haufen den ihr darstellt echte Equites zu machen. Und wir machen das mit einem Lächeln ...." der Decurio machte eine kurze Pause und blieb genau vor einem der jungen Männer stehen. "Das war natürlich nur ein Scherz! Wir machen das mit Blut, Schweiß und Tränen! Und jetzt lauft um den Platz, zwanzig Runden! Wer als erstes fertig ist bekommt eine extra Ration Essen. UND JETZT LOS!" Der Poenius selbst suchte sich einen schattiges Plätzen, er wollte erst mal sehen wie fit die Männer waren und dann würde er ihren Wissensstand abfragen um die Ausbildung die bereits begonnen wurde weiterzuführen.

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    "Wer ist das?", flüsterte Apollodoros.

    "Ein neuer Ausbilder.", gab Alexandros zurück.

    "Und warum schreit er so?" 

    "Schweiß, Blut und Tränen..."

    "Ich heule jetzt schon...."


    Ausgerechnet vor dem kleinen Apollodoros, dem ehemaligen Straßenjungen, war der Decurio stehen geblieben. Dori machte sich fast in die Tunika.


    "Nicht quatschen, laufen", sagte Hairan: "Habt ihr gehört, Mädels, zwanzig Runden...."


    Hairan hatte gut zu lachen, er war der beste Läufer von ihnen. Aber auch die anderen waren wesentlich trainierter als noch vor Wochen. Sie trabten los, während sich Decurio Mamercus Poenius Phormio ein schattiges Plätzchen suchte.

    Na, der hatte es gut. Während der Winter durchaus kühles Wetter aufweisen konnte, waren mit dem Frühling auch die Temperaturen in die Höhe gegangen.

    Palmyra selbst hatte Wasser und hübsche kühle Palmenhaine und Gärten, aber die Umgebung der Stadt war ein heißes Höllenloch.


    Es wurde schon früh warm, und sie schwitzten ordentlich. Aber sie liefen alle , mehr oder weniger schnell, und keiner wollte sich die Blöße geben, schlapp zu machen. ....


    Hairan trachtete danach, die Läufer des zweiten Contubernium, mit dem das dritte eine Art Konkurenzkampf unterhielt, ein- und zu überholen. Die zweiten waren gut, keine Frage. Aber der Nabatäer schaffte es, allerdings als Einziger seiner Zeltgemeinschaft.

  • Nachdem nun auch die letze lahme Ente die Runden endlich geschafft hatte brüllte der Mamercus Poenius Phormio nun lauthals "TIRONES! In agmen venite! Oculos ad prosam! !"

    Die Tirones sollten in Linie antreten und den Blick geradeaus gerichtet halten, so viel stand nun fest. Der Mamercus Poenius Phormio brüllte weiter.

    "Ich bin Poenius Phormio und ich werde euch Würmer zu richtigen Equites machen!", begann er seine Ansprache.

    "Ihr werdet von nun an auf mein Kommando hören. Ihr werdet stehen, wenn ich es befehle, ihr werdet marschieren, wenn ich es befehle. Ihr werdet verdammt nochmal essen und ihr werdet bei Pluto nochmal scheißen, wenn ich es euch befehle. Ich mache aus euch Lappen richtige Soldaten, bis eure Mütter euch nicht mehr wiedererkennen. Und wer mir hier blöd kommt, der kriegt 'ne ordentliche Tracht Prügel, VERSTANDEN?"

    Es trat eine kurze Pause ein und Mamercus Poenius Phormio fuhr in einem etwas ruhigeren Ton fort. "Na gut, dann sehen wir erstmal, ob auch alle von euch da sind...", sagte er und ließ sich eine Wachstafel reichen. Nun las er die aufgelisteten Namen der Reihe nach vorzulesen. Wer aufgerufen wurde, meldete sich. Simple Anwesenheitskontrolle.

    Nachdem das erledigt war, warf der Mamercus Poenius Phormio den Kerlen die aufgereiht vor ihm standen einen Blick zu, der töten könnte.

    "Jetzt schau sich mal einer diesen Haufen gaffender Schafe an! Steht gefälligst stramm, wenn ich es sage! Rücken durchgestreckt, Kopf hoch, Blick geradeaus!"

    Der Mamercus Poenius Phormio marschierte die Reihe entlang und korrigierte die jüngsten der Rekruten mit groben Griffen. Die Tirones, die bereits in Confluentes die gröbsten Lektionen der Grundausbildung gelernt hatten, waren nicht betroffen, solange sie sich richtig verhielten.

    "Bei den Götter, hier kommt Arbeit auf mich zu. So einen jämmerlichen Haufen Hundescheiße habe ich ja noch nie gesehen!"

    Er schüttelte den Kopf. Ja ja seien Ansprache war immer die gleiche, aber sie wirkte doch jedes verdammte Mal.

    „Jetzt üben wir das vernünftige marschieren. Ad sinistram! Pergite!

    Die Reihe der Tirones, sollte nach links drehen und losmarschieren. Poenius Phormio marschierte mit, natürlich den Rhytmus vorgebend. Er wusste nicht, was die Tirones in Confluentes alles gelernt hatten, aber er würde sie in den nächsten Tagen ausführlich testen. Zuerst würden sie bis an ihre körperlichen Grenzen gehen und anschließend würde er diesen Nichtnutzen den Umgang mit Dromedaren und Waffen beibringenden. Falls sie es bis dahin durchstanden.


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    ""Hat der uns gerade Hundescheiße genannt?"", " Ja, wird wohl stimmen!" "Tut es nicht!" "Poenius heißt er"  "Poena heißt Strafe auf Latein " " Ist ja auch eine Strafe" ""Klappe, oder willste Ärger"" "Er guckt mich an..." 

    MARSCHIEREN....

    stramm stehen, Rücken durchgestreckt, Blick geradeaus.... die SCHONZEIT WAR VORBEI.... ab jetzt waren sie Equites, römische Hilfstruppen, und die Befehle prasselten nur so auf sie hinunter...

    Nach links drehen und durchmaschieren.... das war Palmyra, es war schweineheiß, so eine.... MARSCHIEREN.....

    und sich diese ganzen Befehle zu merken, und im Schlaf aufzusagen:

    " "

    "" Milites heißt Soldaten,
    die werden hier gebraten,
    antreten heißt venite
    sonst gibts im Arsch ein Tritte
    abite heißt hau ab du Made
    und still gestanden das heißt state
    pergite das heißt Marsch
    und dann bist du im A...."
    "

    ""

    "Weißt du was, Alex", flüsterte Hairan: "Manchmal denk ich , du hast sie nicht alle!" 

    Soades meinte nur: "Wenn er sich damit alles merkt!"


    Und weiterüben, üben, üben, üben, bis man nicht mehr nachdachte, sondern nur noch gutgeölten ineinandergreifenden Zahnrädern eines gigantischen automata glich.





    Sim-Off:

    Wo ist Confluentes?