• Zu meiner Freude war endlich der Knoten zwischen uns geplatzt. Anippe umarmte mich, wie es wohl nur eine Freundin tat und wie es ganz sicher auch meine arme Nilofer im fernen Ktesiphon getan hätte. Nun streckte ich auch Idunah meine Hand entgegen, damit sie auch noch dazu kam. Gemeinsam würden wir es schaffen, von hier fort zu kommen, um ins Land der Rhomäer zu flüchten. Wenn Phraotes endlich hier war!

    "Legt euch ruhig schon schlafen, ich muss noch einen Brief schreiben", sagte ich dann nach einer Weile in inniger Umarmung mit meinen beiden Sklavinnen. Dann löste ich mich von ihnen und setzte mich an den Schreibtisch.


    Ich hatte lange über den beiden Briefen gesessen. Besonders der Brief, der für Phraotes bestimmt war, hatte mir alles abverlangt. Ich fühlte mich zwar sehr müde aber irgendwie auch spürte ich neue Hoffnung in mir aufkeimen. Mit diesem Gedanken legte ich mich zu den beiden Frauen in mein Bett und schlief bald ein.

  • Zurück aus der Höhle des Löwen


    Als Anippe ihre nun gemeinsame Herrin umarmte, neigte sich Idunas Kopf leicht auf die Seite. Während sie sich etwas unschlüssig auf die Unterlippe biss. Schließlich wusste sie nicht was sie in diesem Augenblick tun sollte. Sollte sie ebenfalls, wie es Anippe bereits getan hatte, ihre neue Herrin umarmen und ihren Kopf gegen ihre Schulter betten? So rutschte Iduna Stück für Stück näher, eben das Stückchen, welches sie vorhin zurück gewichen war. Um im nächsten Moment in Anippes Richtung zu blicken, die in lateinischer Zunge Worte an sie richtete. Jene Worte hätte es jedoch nicht gebraucht, denn das zurück geschlagene, seidige Laken sagte Iduna mehr als tausend Worte. Jene Geste ließ die Rothaarige jedoch unmerklich schlucken. Bevor sie sich im nächsten Moment erhob und etwas ungelenk auf das hohe Bett kletterte. Ihre Herrin wünschte es, und so sollte es geschehen, durchzuckte es im selben Moment das Köpfchen der Sklavin.


    Vorsichtig kuschelte sich die kleine Germanin unter das seidige Laken und an ihre Herrin, die nun direkt zwischen den beiden Sklavinnen liegen konnte. Iduna jedoch wollte noch nicht schlafen, auch wenn ihr Körper regelrecht danach schrie. So drehte sich die Rothaarige in Anippes Richtung und lauschte deren Stimme. Denn als Anippes Stimme erklang, verstand Iduna worauf die Alexandrinerin abzielte. So begann die erste Lehrstunde der beiden jungen Frauen, als Iduna begann die unterschiedlichsten Dinge im Zimmer ihrer Herrin auf lateinischer Zunge zu benennen.


    Dies tat die germanische Sklavin so lange, bis ihr die Augen schwer wurden und sie sich dann doch an ihre Herrin schmiegte. Um nur kurze Zeit später einzuschlafen. Dabei galten ihre letzten Gedanken ihrem Gefährten und Aislin.

  • Versuche nichts zu verbergen, denn die Zeit, die alles hört und sieht, deckt es doch auf.

    Sophokles (um 497 - 405 v. Chr)


    Nachdem sich der Bene Attar von ihr abgewandt hatte, blickte Iduna seiner hochgewachsenen Gestalt dann doch für einen kurzen Augenblick nach. Doch nur um sich zu vergewissern, dass er sie tatsächlich in Ruhe lassen würde. Energisch strich sich Iduna über das Kleid. Ebenso wie sie sich einige verirrte Strähnen aus der Stirn wischte. Nachdem sie anschließend tief durchgeatmet hatte, setzte sich die junge Frau etwas wackelig in Bewegung und versuchte dennoch Würde und Ruhe auszustrahlen. Niemand sollte bemerken was sich hier gerade abgespielt hatte. Auch wenn es wohl die meisten Diener bereits wussten. Solch‘ Tratsch wurde doch immer sogleich weitergetragen und ging von Mund zu Mund und von Ohr zu Ohr.


    Schließlich erreichte Iduna das Gästezimmer, in dem ihre Herrin Nilofer untergebracht war und klopfte vorsichtig an. Vielleicht war die junge Frau und Anippe bereits von ihrem Ausflug zurück gekehrt. Doch niemand öffnete ihr und keine Stimme drang von innen an ihr Gehör. So vermutete Iduna das sich ihre Herrin noch immer außerhalb des Anwesens befand. Hoffentlich dauerte dieser Ausflug nicht mehr allzu lange, geisterte es durch Idunas Köpfchen, als sie ihre Hand auf den Türknauf legte und diesen vorsichtig herumdrehte. So dass sie die Türe einen Spalt aufdrücken konnte, um in das innere huschte. Lautlos drückte sie auch schon die Türe ins Schloß, bevor sie sich vorsichtig gegen die Türe lehnte und erneut tief durchatmete. Diese wenigen Augenblicke gönnte sich die Sklavin einfach. Nur um im nächsten Moment das Badezimmer im Gemach ihrer Herrin aufzusuchen. Sie musste sich unbedingt reinwaschen. Seinen Geschmack aus ihrem Mund entfernen. Im Badezimmer angekommen wusch sich Iduna gründlich und zog sich anschließend ein sauberes, einfaches Kleid an. Das Kleid welches sie getragen hatte, verbarg sie geschickt hinter einigen Truhen, so dass es ihrer Herrin garantiert nicht sofort auffallen dürfte. Denn es würde Fragen aufwerfen und dazu war Iduna noch nicht bereit.


    Mit einem ruhigen Lächeln auf ihren Lippen trat Iduna auch schon zurück in das Zimmer und begann sogleich in ihrer Tätigkeit als einstige Cubicularia aufzugehen. Die Kissen auf dem Bett ihrer Herrin wurden neu drapiert. Ebenso strich sie die Bettdecke glatt. Jetzt musste ihre Herrin doch bald zurück kommen, oder etwa nicht? Denn sonst würde Iduna doch noch in Tränen ausbrechen und zu Boden sinken. Bisher hatte sie sich erstaunlich gut unter Kontrolle und hielt ihre Emotionen zurück.


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