Beiträge von Titus Decimus Scamander

    Das Nachsprechen war auch für Scamander kein Problem. Wohin er und seine Kameraden gehörten, hatte er ja schon gestern erfahren. Doch als der Centurio dann weiter sprach und den Aufbau einer Legion erklärte, war das schon anders. Eigentlich war es ja alles ganz logisch und wer des Rechnens mächtig war, hatte sicher keine Schwierigkeiten damit. Wären da nicht die Ausnahmen gewesen, die scheinbar alles Logische wieder über den Haufen warfen. Je länger er darüber nachdachte, umso mehr schwirrten ihm die Zahlen durch seinen Kopf. Doch Scamander war kein Dummkopf! Es gab nichts, was man nicht hätte lernen können! Er würde sich in jeder freien Minute damit beschäftigen, bis dass er tatsächlich alles Gehörte auch im Schlaf widergeben konnte. Denn er zweifelte keine Sekunde daran, dass der Centurio gescherzt hatte, als er ihnen damit drohte, sie nachts aus dem Schlaf reißen zu lassen, um sich von ihnen den Aufbau einer Legion erklären zu lassen.


    Dass er nicht der Einzige war, den die vielen Zahlen verwirrten, war sicher klar. Centhos Gesicht aber spiegelte die reine Verzweiflung wider. Wahrscheinlich hätte er jetzt schon wider nach Hause gehen können, hätte ihn jemand gefragt. Jedoch fragte ihn keiner und außerdem war der Weg nach Athen, wie er ja nun wusste, auch ziemlich lang.

    Noch waren wir alle darauf gespannt, was der neue Tag uns bringen mochte. All diejenigen, die vom Marsch am Vortag noch gebeutelt waren (zu denen ich ja auch gehörte), hofften auf so etwas wie einen Ruhetag. Allerdings machte ich mir da kaum Hoffnungen. Das letzte Fitzelchen Hoffnung ging in dem Moment flöten, als unser Centurio erschien. Alleine schon sein Blick ließ darauf schließen, dass man es sich mit ihm am besten nicht verscherzen sollte.

    Nach einer kurzen Begrüßung, ließ er uns wissen, wie es für uns heute weitergehen sollte. Medizinische Untersuchung, Ausrüstung abholen, Dreizehn Meilen Marsch! "Scheiße!" horte ich es aus Centhos Mund raunen und auch mein Freund Macer seufzte, denn auch seine Füße waren stark mitgenommen gewesen. Ich war auch nicht gerade entzückt von unserem Tagesprogramm. Aber mal ehrlich, was hatte ich denn erwartet? Das würde kein entspannter Frühlingsspaziergang werden. "Wir schaffen das, Jungs!" raunte ich meinen Kameraden zu, obwohl ich das selbst nicht so ganz glauben wollte.

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    Ein wenig chaotisch musste es schon gewirkt haben, als wir Neuen hinaus aus unseren Baracken gestürmt waren, um uns auf dem Campus in einer Reihe aufzustellen. Mancher von uns sah noch richtig verschlafen aus. Ich war nun auch nicht wirklich topfit, aber ich gab mir Mühe, mir das nicht unbedingt anmerken zu lassen. Ich hatte ja gewusst, dass die nächsten vier Monate hart werden würden und schließlich war ich ja auch keine Mimose. Also hieß es ab jetzt 'Zähne zusammenbeißen und früher ins Bett gehen, wenn möglich'.

    Auch diesmal war unsere Linie noch weit davon entfernt, perfekt zu sein. Aber es war ja auch erst unser erster Tag!

    Ich hatte ewig gebraucht, bis ich eingeschlafen war, obwohl ich doch eigentlich todmüde gewesen war. Aber das Schnarchen meiner neuen Kameraden war sehr gewöhnungsbedürftig. Außerdem war mein neues "Bett" furchtbar unbequem. , was ich natürlich niemandem auf die Nase band, sonst hätte ich wahrscheinlich nur Spott und Häme geerntet. Irgendwann war es mir schließlich doch noch gelungen, in Morpheus Reich einzutauchen. Mein Schlaf jedoch fand nach wenigen Stunden bereits ein jähes Ende. Das laute Geräusch von mehreren Bucinae (eine davon war so laut, so dass ich schon glaubte, der Bucinator stehe direkt neben meinem Bett) riss mich aus dem Schlaf. Beinahe wäre ich sogar au dem Bett gefallen. Der "freundliche" Weckruf des Optios tat dann sein Übriges.

    Zum Glück war ich nicht der Einzige, der sich schwer tat mit dem Aufstehen. Meine Mitbewohner stöhnten und murrten, als sie sich aus dem Bett quälten, denn die Nacht war wirklich sehr kurz gewesen.

    Zu meiner Erleichterung sahen meine Füße heute Morgen etwas entspannter aus. Frugis Salbe hatte wirklich geholfen. Trotzdem hoffte ich darauf, dass der Tag nach der gestrigen Anstrengung etwas gemäßigter von statten gehen würde.

    Als es endlich alle aus der ihren Betten geschafft hatten, herrschte ein hektisches Treiben in der Baracke. Da wir noch nicht unsere Ausrüstung erhalten hatten, blieb uns nichts anderes übrig, als unsere Kleidung vom Vortag aufzutragen. Schließlich spurteten wir alle nach draußen.

    Nach unserer Ankunft in der Castra war noch einiges zu tun gewesen, doch irgendwann kam der Moment, an dem Macer und ich endlich die Baracke unseres Contuberniums betraten. Einige unserer Mitbewohner waren bereits dort und verstauten bereits ihre Habseligkeiten. Der Rest betrat nach und nach die Baracke. Schließlich waren wir sieben Mann. Neben Macer und mir war da noch Lyso, der aus Achaia stammte. Dann war da noch Tarpa aus Ephessus, der mir von Anfang an aufgefallen war, weil er einen auf harten Kerl machte. Ob er wirklich so hart war, würden die nächsten vier Monate unserer Grundausbildung zeigen. Frugi, der selbst nach dem heutigen Marsch noch gute Laune zu haben schien, kam aus Ostia. Dann war da noch Dammasippus, der ebenso aus Latium stammte und mehr der Theoretiker war. Centho war der Älteste in unserem Contubernium. Allein deswegen fiel er schon auf, denn wir anderen waren im durchschnitt fünfzehn Jahre jünger als er.

    "Nanu, ein Bett ist noch frei!" meinte Frugi und deutete auf ein noch jungfräuliches Bett. "Wir werden doch niemand verloren haben auf dem Weg hierher!" Er grinste in die Runde, blickte aber durchweg in müde Gesichter, die sich einfach nur noch aufs Ohr legen und schlafen wollten. "Das ist mir scheißegal! Soll er doch! Ich bin jetzt müde und will nur noch eins: pennen!" rief Tarpa und legte sich gähnend in sein Bett.

    Bevor ich mich hinlegte, sah ich mir noch einmal meine Füße an. Die Blase auf meinem Fußballen war offen und tat schmerzte. Ich ahnte schon, dass der morgige Tag kein leichter Spaziergang in der Sonne werden würde. "Oh, das sieht aber nicht gut aus!" Frugi schaute mir interessiert über die Schulter und schüttelte den Kopf. "Hier, ich hab da was! Hat mir meine Mutter mitgegeben." Er drückte mir einen kleinen Tiegel mit einer wohlriechenden Salbe in die Hand. Ich sah ihn fragend an. Probleme mit stinkenden Füßen hatte ich ja nun nicht. "Das ist eine Salbe aus Ringelblumen, die hilft bei offenen Blasen!" versicherte er mir und sah dann zu, wie ich mir die Füße mit den Salbe einschmierte. "Danke," antworte ich schüchtern. So ganz traute ich der Salbe ja nicht. Allerdings merkte ich schon bald, wie sich meine Füße entspannten, als ich mich hingelegt hatte.

    Auch wenn es für mich ungewohnt war, mit sechs anderen Leuten in einem Raum zu schlafen, dauerte es nicht lange, bis ich eingeduselt war. Unglücklicherweise war unsere Nacht bereits vor Sonnenaufgang schon wieder zu Ende. Ein neuer Tag stand uns bevor.

    Ankunft der neuen Rekruten


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    Caesoninus bestiegt in vollem militärischen Ornat den gesattelten Bucephalus (das Tier tänzelte etwas auf der Stelle und warf den Kopf zurück, als er zum ersten Mal versuchte aufzusitzen) und ritt dann auf die Rekruten der XII. Legion zu. "Milites! In agmen venite! Parate vos ad iter!"* befahl er ihnen, während er ihre Reihen abritt. "Wägen bemannen!" Caesoninus' Sklaven waren davor angewiesen geworden, dass sie sich auf jenen Wagen setzen und auf ihm mitfahren sollten, der seine Habseligkiten mit sich führte. Somit müssten sie genauso wie die Wagenlenker oder Caesoninus selbst nicht mit eigenen Füßen den weiten Weg nach Antiochia antreten. Immerhin trennte sie immer noch ein ganzer Tagesmarsch von 21 Meilen** von ihrem Ziel, nach der ewigen Ruderei an Bord der Charybdis also ein weiterer körperlicher Kraftakt noch vor der eigentlichen Grundausbildung. Doch da mussten die neuen Soldaten eben jetzt durch, denn es verstand sich von selbst, dass diese zu Fuß gehen mussten. Der eine oder andere würde bestimmt eine nicht unbedeutende Blutblase von diesem ersten Gewaltmarsch abbekommen am Ende des Tages.

    Caesoninus schätzte, dass sie ungefähr 8 bis 9 Stunden lang unterwegs sein würden, bis sie in der syrischen Provinzhauptstadt ankommen würden, dann wäre es bereits tiefe Nacht. Doch immerhin war das hier auch kein Erholungsurlaub.


    Caesoninus machte am Ende der sich bildenden Kolonnenfront kehrt und ritt zurück zu deren Mitte, dann lenkte er Bucephalus nach rechts, sodass er sich genau an die Spitze der Marschkolonne setzte. "Pergite!"*** befahl er und dann ging es auch schon los.


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    Wer geglaubt hatte, mit der Ankunft an der syrischen Küste bereits das Schlimmste überstanden zu haben, der war einem großen und schwerwiegendem Irrtum aufgesessen. Denn nach der kräftezehrenden Überfahrt von Piräus nach Seleukia Pieria, dem Hafen von Antiochia, stand uns noch ein Gewaltmarsch von einundzwanzig Meilen vor uns. Spätestens jetzt begann sich die Spreu vom Weizen zu trennen, wie man so schön sagte. Denn wem es an Durchhaltekraft und Disziplin mangelte, musste sich eingestehen, dass das Soldatenleben vielleicht doch nicht das Richtige war. Was mich betraf hatte ich mir fest vorgenommen, keine Schwäche zu zeigen und die Zähne zusammenzubeißen. Meine Motivation kam aus mir selbst, denn nichts war schlimmer, als in Piräus zu versauern! Ich hoffte nur, mein neuer Freund Macer sah das ähnlich.

    Der neue Tribun, der mit uns auf dem Schiff angekommen war, führte uns an. Allerdings saß er bequem auf seinem Pferd. Allerdings sagte ich mir immer wieder vor, dass Roms Stärke nicht auf den Rücken seiner Pferde sondern in den Waden seiner Soldaten steckte. Das half über einiges hinweg. Selbst über schmerzende Blasen, die sich mit der Zeit an meinen Fußsohlen gebildet hatten und die jeden einzelnen Schritt irgendwann zur Qual werden ließen.

    Stunde um Stunde verging, bis wir endlich in der Nacht unseren Bestimmungsort erreicht hatten - das Tor zur Castra!Ankunft

    Ich hätte den Göttern auf Knien danken können, als das Schiff endlich in seinen Bestimmungshafen einfuhr! Die bis dato schlimmsten Tage meines Lebens hatten endlich ein Ende gefunden! Da klang sogar das laute Gebrüll des Centurios wie süße liebliche Musik. Mein neuer Freund Macer, der mir inzwischen so vertraut geworden war, als ob er ein alter Freund aus Kindestagen gewesen wäre, legte mir kurz seine Hand auf die Schulter und meinte "Komm!" Er hatte recht! Es war besser 'den Alten' nicht warten zu lassen uns sich damit seinen Zorn auf sich zu ziehen. So packten wir beide mit an und schleppten die Warenvorräte hinunter von Bord. Es war ein wirklich tolles Gefühl, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren! Doch es blieb nicht viel Zeit, sich über diesen Umstand zu freuen. Es gab noch genug zu tun! Als ich wieder zurück zum Schiff lief, fiel mein Blick kurz auf einen blonden Mann mit etwas längeren Haaren. Ich hatte den Kerl bereits gelegentlich an Deck beobachtet und hatte herausbekommen, dass es sich um einen Sklaven des neuen Tribruns handelte, der mit ebenfalls mit uns auf dem Schiff befand. Von einigen Kameraden, die sich schon etwas langer auf dem Schiff befanden, hatte ich so einiges über den Kerl erfahren. Offenbar hatte er sich mit einer Sklavin seines Dominus am helllichten Tag zu einem Schäferstündchen verabredet - mitten auf dem Schiff! Typisch Barbar, fiel mir dazu nur ein. Als er plötzlich zu mir rüber sah, wandte ich meinen Blick schnell wieder ab und konzentrierte mich wieder auf meine Aufgabe. Oh Mann, war ich froh, endlich hier zu sein! Auch wenn Macer, ich und die anderen Kammeraden gerade schuften mussten wie ein Sklaven, waren wir dennoch frei! Denn wir hatten uns selbst für dieses Leben entschieden.

    Scamander: Auf zu neuen Welten - mit kleinen Hindernissen


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    Macer und ich bestiegen das Schiff. Bis wir Antiochia erreichten, wollte ich mich an ihn halten, damit ich nicht völlig allein war. Wir hatten uns miteinander angefreundet, denn zu zweit war man weniger allein! Später in Syria würde sich ja herausstellen, ob sich unsere Wege trennten oder ob wir doch noch weiter zusammenbleiben konnten.

    Von Anfang an aber hatte ich ein ungutes Gefühl, als ich die Charybdis bestiegen hatte. Ich hasste Schiffe! Ganz gleich, wie groß oder klein sie waren. Sobald wir den Hafen verließen und dieses elende Schaukeln begann, wusste ich was mir blühen würde. Hoffentlich gab es dort, wo sie uns einquartierten genug Kotzkübel!


    Es gab Hängematten! Ich hatte zuvor noch nie in einer Hängematte genächtigt. Besonders bequem sahen sie nicht aus, diese Hängematten. Aber schließlich war ich ja hier nicht auf einer Vergnügungsreise! Ob die Hängematten das Schaukeln des Schiffes ausgleichen konnten? Falls ja, wäre es sicher das Beste gewesen, sich den ganzen Tag in der Hängematte aufzuhalten, was sicher im Konflikt mit den Plänen meiner Vorgesetzten stand!

    Meine Fragen sollten schon bald beantwortet werden. Die nächsten vier Tage kotzte ich mir fast die Gedärme aus dem Leib. Von unserer Reise bekam ich daher nicht viel mit, denn kurz darauf erreichten wir endlich die syrische Küste.

    Unser kleines 'Gespräch' war nicht unbemerkt geblieben. Als ein unmissverständliches 'RUHE!' erschallte, verkniff ich mir jedes weitere Wort. Für mein dämliches Lächeln, als der Centurio vor mir stand, schämte ich mich schon kurz darauf. Aber zum Glück aber hatte der Centurio heute seinen guten Tag, so dass es für mich und meinen Nebenmann, dessen Name Macer lautete, erst mal keine Konsequenzen bedeutete.

    Macer grinste mir zu, als der Centurio an mir vorbeigeschritten war. Mein dämliches Lächeln war mir zum Glück vergangen. "Danke Mann!" flüsterte ich Macer zu. Wahrscheinlich würden wir sowieso schon bald wieder getrennte Wege gehen, da es kurze Zeit später darum ging, welcher Legion beziehungsweise welchem Schiff wir zugeteilt wurden. Manche von uns waren von Anfang an aussortiert worden. Aber ich hatte Glück und schon bald würde es 'vale Piräus!' heißen.

    Der Platz wurde mit der Zeit immer leerer. Ob es nun Fluch oder Segen war, dass Macer und ich letztendlich zu den letzten fünfzehn Mann gehörten, die noch auf dem Platz standen, sollte sich gleich herausstellen. Wir hatten Glück, denn wir wurden beide der 12. Legion zugeteilt. Macer hatte sich noch gefreut, dass wir beide zur zwölften kommen sollten. "Toll!", entgegnete ich ihm, bevor ich dann selbst aufgerufen wurde, Aber wahrscheinlich dachte er nicht daran, dass im Idealfall noch schlappe 5498 andere Soldaten dieser Legion angehörten.

    Schließlich folgte ich Macer und bestieg die Charybdis.


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    Ein wenig kritisch beäugte ich diese Nussschale, der ich mein Leben anvertrauen würde. Auch wenn die Wintersonne auf uns herabschien und heute der Himmel herrlich blau war, konnte das nicht darüber hinwegtäuschen, dass es da draußen auf dem Meer richtig ungemütlich zugehen konnte. Ich war am Meer aufgewachsen und hatte einige heftige Winterstürme miterlebt. Eigentlich hätte ich mich fragen sollen, was ich hier gerade tat. Allerdings war der Wunsch, endlich von zu Hause weg zu kommen wesentlich größer. Da war es doch besser, sich einfach abzulenken und sich mit einigen der neuen Kammeraden auszutauschen. Schließlich würden sie in den nächsten Monaten so etwas wie meine Familie sein. Außerdem verging so die Zeit schneller, denn das ewige Warten nervte schon sehr.

    Nach einer Weile aber schien dann doch die scheinbar ewige Warterei ein Ende zu haben. Als ein Centurio mit seinem Optio erschien, wurde es unter den Neuen nach und nach ganz still. Wie immer brauchte es eine Weile, bis auch der Letzte gecheckt hatte, dass es nun besser war, die Klappe zu halten und dafür die Ohren zu spitzen. Wobei es schon eine Kunst war, das Gebrüll des Centurios zu überhören.

    So gut es ging stellten wir uns in einer Linie auf. Mhh, was war gleich noch die Definition für eine Linie? Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten auf einer Oberfläche oder in einem Raum. Unser Gebilde hatte wohl eher Ähnlichkeit mit einer Kurve. Na ja, das war sicher noch ausbaufähig! Trotz allem empfand ich einen gewissen Stolz, hier sein zu dürfen. Der Centurio hatte uns Soldaten genannt, als er meinte wir sollten nun unsere Marke und das ausgefüllte Meldeformular vorzeigen. Ja, genau das Meldeformular, welches ich noch nicht griffbereit in meiner Hand hielt, sondern das noch irgendwo in meiner Tasche herumdümpelte und auf schöneres Wetter wartete. Als der Centurio sich mir langsam aber unaufhaltsam näherte, verspürte ich plötzlich von rechts einen unsanften Rempler in meiner Seite. "Das Formular!", wisperte mein Nebenmann." He! Äh, was?" Ich wollte mich ja schon beschweren, begriff aber, das das gerade ungünstig war. "Dein Meldeformular und die Marke, du Idiot!" zischte mein Nebenmann zurück. "Oh!"entgegnete ich und zückte schnell meine Tasche, um beides gekonnt herauszufischen. Gerade noch rechtzeitig, bis der Centurio schließlich vor mir stand und seine linke Handaufhielt. Aus einem Reflex heraus, wahrscheinlich weil ich so ein netter Junge war, lächelte ich dem Centurio zu, als ich ihm die Marke und das Meldeformular reichte.


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    Rekrutierungsmeldung


    Name: Titus Decimus Scamander

    Alter: 18 Jahre

    Besondere Fähigkeiten: Lesen, Schreiben

    Rekrutierungsort: Athen


    Geh zu den Legionen, mein Junge! hatte mein Vater zu mir gesagt. Sieh dir die Welt an, reise in fremde Länder, triff faszinierende Leute und reiß ihnen die Eingeweide raus!


    Mein Vater, Manius Decimus Pulcher, hatte gut reden! Er war der Jüngste von vier Brüdern. Sozusagen ein Nachzügler, der erst geboren worden war, als mein ältester Onkel bereits erwachsen war. Besagten Onkel hatte ich leider nie kennenlernen dürfen, da er bereits tot war, als ich geboren wurde. Er ist in Germanien gefallen, betonte mein Vater immer. Abgeschlachtet von Barbaren, fügte er dann gerne noch dazu, um seine Gesprächspartner zu schocken. Als ich noch ein Kind gewesen war, hatte er das zumindest bei mir geschafft. Als ich älter wurde, übte es eine gewisse Faszination auf mich aus.


    Auch meine anderen Onkel waren bereits tot, obwohl sie nicht von Barbaren abgeschlachtet worden waren. Und sie hatten noch etwas gemeinsam: Alle waren sie von hier fort gegangen. Hatten Piräus irgendwann den Rücken gekehrt, um zur Legion oder zur Classis zu gehen oder um in Rom ihren Weg zu machen. Ebenso alle meine Neffen. Lediglich mein Vater war hier geblieben und hatte sich als Provinzpolitiker und Beamter versucht. Doch wenn ich seinen Worten glauben durfte, dann hatte er immer von etwas Größerem geträumt. Von einer politischen Karriere in Rom oder als Offizier bei den Legionen. Warum er keinen dieser Wege eingeschlagen hatte, wollte er mir nie verraten und ich hatte es niemals gewagt, ihn danach zu fragen.


    Die Zeit verging und ich wuchs zu einem Jungen Mann heran. Ich legt meine Bulla ab und legte stattdessen zum ersten Mal die Toga virilis an. Zum Leidwesen meiner Mutter hatte ich meinem Vater dann vor einigen Monaten erklärt, nicht in seine Fußstapfen treten zu wollen. Stattdessen wollte ich Soldat werden. Hauptsache weit weg von Piräus. Natürlich hatte ich letzteres nicht ausgesprochen, doch ich denke, er hatte verstanden was mich trieb.


    Nun stand ich hier im Hafen und wartete darauf, den Truppentransporter zu besteigen, der mich nach Antiochia bringen sollte. Eines störte mich an dieser Sache. Scheiße Mann, warum musste ich erst auf ein Schiff, um zur Legion zu kommen? Wenn ich hätte Schiffchen fahren wollen, wäre ich doch zur Classis gegangen! Mir wurde jedes Mal speiübel, wenn ich auf einem Kahn war. Bei dem Gedanken, mehrere Tage, ja sogar Wochen auf einem Schiff leben zu müssen, wurde mir jetzt schon schlecht!