Beiträge von Flavia Domitilla

    Domitillas Taktik war anscheinend aufgegangen. Zumindest was den Cornelier betraf. So hatte sie, ganz nebenbei versteht sich, erfahren, dass der Mann neu in der Stadt war und dass er nicht oder nicht mehr liiert war. Im Prinzip reichte das ja schon! Ein großer Name, eine ansehnliche Erscheinung, nicht zu alt , was wollte frau mehr?

    "Ach, das ist ja interessant! Ein so attraktiver Mann und keine Frau an seiner Seite? Nun, das nenne ich auch eine Vergeudung an wichtigen Ressourcen!" entgegnete die Flavia grinsend und meinte dann zu ihrer Feundin: "Marcella, unser netter Sitznachbar hier ist neu in der urbs aeterna. Und nicht nur das..." Domitilla warf der Claudia ein verschmitztes Lächeln zu. Als dann beim Austehen die Hand des Cornelius rein zufällig ihren Schenkel streifte und dann dann auch noch die Hand Marcellas, war sie erst davon angetan, im nächsten Moment aber verwirrt. Was wollte er mit Marcella? Sie war doch viel jünger und mit Sicherheit such attraktiver als die Claudia! Noch immer war die Flavia in einem Alter, in dem sie Kinder gebären konnte, was man von der Claudia nicht behaupten konnte, wenn es nach Domitilla ging.

    Zweifellos musste Cornelius Felix auch von ihrer Unterhaltung mit der Claudia Notiz genommen haben. Doch daran störte sie sich nicht. Zum einen sprachen sie über Gladiatoren, an einem Ort, an dem es nun mal Gladiatoren gab und zum anderen waren sie beide derzeit nicht in einer Ehe gebunden. "Welche Erfahrungen hast du mit Parthern und Germanen gemacht, Cornelius?" fragte sie grinsend, nachdem Claudia Agrippina zu ihnen gestoßen war und nun mit ihrer Tante sprach. Vielleicht sollte die junge Claudia sich auch einmal einen Parther oder Germanen mieten, damit sie endlich schwanger wurde, dachte sie. Natürlich würde sie in Gegenwart ihrer Feundin so etwas niemals laut aussprechen. Doch die Gedanken waren frei!

    Da konnte sie der Claudia nur zustimmen! Solche Gefühlsduseleien waren etwas für Schwächlinge! Bisher hatte sie eigentlich einen anderen Eindruck von Tiberius Caudex gewonnen. Gewiss war er darauf aus, den Parther für die Zucht zu benutzen. Dass er dafür genügend Ausdauer besaß, hatte er ihr ja bereits zur Grnüge bewiesen. Trotzdem war sie darüber sehr unglücklich! "Welch eine Vergeudung!" rief sie noch einmal aus. "Bleibt zu hoffen, dass wir in zwanzig Jahren noch rüstig genug sind, um von seinem Wurf zu profitieren!" Nun ja, sie zweifelte kein bisschen daran, dass sie bis dahin noch fit war. Bei der Claudia konnte es vielleicht schon knapp werden. Bei genauerem Hinsehen, schien sich Marcella auch ein wenig verändert zu haben. Vielleicht hatte ihr plötzlicher Gewichtsverlust ja doch eine ander Ursache... Doch diesen Gedanken schob sie ganz schnell wieder beiseite, als ihre Freundin schließlich auf den Sieger des letzten Kampfes zu sprechen kam. Leif, ein barbarischer Germane! Bei dem Gedanken, von einem solchen Barbaren genommen zu werden, lief ihr ein heißkalter Schauer über den Rücken. Ein Vergleich wäre unumgänglich! "Nun, den Parther habe ich dir ja schon voraus, liebste Marcella", meinte sie spitz. "Doch ein Germane steht noch aus!" Natürlich hätte sie auch einen ihrer gemanischen custodes vernaschen können. Doch ein Gladiator war doch viel interessanter! Marcella meinte natürlich sofort, dass frau einem solchen Barbaren nicht standhalten konnte. Doch was war mit zwei Barbaren, einem Parther und einem Germanen, die sich gegenseitig abwechselten? Domitilla spürte, wie ihr Hunger in ihr entfacht wurde. Wie gut, dass die Claudia noch eineige Geschichten über die Wilden, jenseits des Limes, zum Besten gab.

    ...

    Dann nickte ich der Flavia und ihrem Begleiter zu, der mir leider nicht bekannt war. "Salve Flavia! Salve!" Dann wandte ich mich wieder meiner Tante zu. "Ich hoffe, es geht dir gut, liebe Tante! wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen!" Ich sollte sie am Besten in den nächsten Tagen einmal besuchen kommen! Das war mehr als überfällig!

    Bevor sie etwas erwidern konnte, trat plötzlich eine junge Dame näher. Claudia Agrippina, die Nichte ihrer Freundin! Sie grüßte freundlich und auch Domitilla lächelte und begrüßte sie. "Salve Claudia! Es freut mich, dich wieder zu sehen!" Nun, da sie die junge Claudia aus der Nähe sah, war sie sich ganz sicher, dass sie noch immer kein Kind in sich trug, denn dafür fehlte ihr dieser gewisse Glanz.

    "Flamma gehört nun zur Familia des Tiberius, und ich bezweifle, dass er ihn einfach ausleiht.", seufzte Claudia Marcella: " Was du hattest, meine liebe Domitilla, nennt sich 'letzte Gelegenheit' .Ich hörte, Flamma hat eine schöne contubernalis erhalten und kommt jetzt nicht mehr aus dem Schlafzimmer heraus. Mit etwas Glück gibt es bald lauter kleine Halbparther."

    Vielleicht hätte sie Flamma genug Geld für gewisse Dienstleistungen bieten können, dass dieser freiwillig eingeschlagen hätte (mit Erlaubnis seines Dominus) aber die Claudia wusste, dass sie nie wieder mit einem Mann das Lager teilen würde. Nicht mehr in diesem Leben. Sie sah ins Unbekannte. Eigentlich war sie kaum noch da. Aber bevor die Angst über ihr zusammenschlagen konnte wie ein schwarzes Tuch, lächelte sie Cornelius Felix an:

    . "Chairomenos - entzückt, dich kennen zu lernen, Cornelius. Und weißt du was, du hast ganz Recht: Es muss nicht immer gestorben werden.

    Ich bin also auch für Leben!",

    sie winkte: Mitte! Mitte! und war zufrieden, als es auch so geschah.

    "Ach, das ist wirklich ein Jammer! Ein wahrer Verlust!" kommentierte die Flavia Marcellas Bemerkung und war froh, dass sie diese letzte Gelegenheit noch genutzt hatte. "Man hat ihm also ein Weibchen zugestanden? " fragte sie, mit einer ordentlichen Portion Gehässigkeit in der Stimme. Ach, der Tiberius war einfach zu gutherzig. Nun ja, zum Glück gab es noch mehr Gladiatoren. Vielleicht konnte Domitilla ihre Freundin damit ja überraschen. Darüber würde sie sich aber erst später den Kopf zerbrechen. Zunächst stellte sich erst einmal die Frage, was mit dem unterlegenen Gladiator dort unten passieren sollte. Hingegen ihrer üblichen Einstellung, der Verlierer solle doch bitteschön sein Leben lassen, hatte sie sich diesesmal von ihrem Sitznachbarn beeinflussen lassen. Einen Mann, denn sie überhaupt nicht kannte. Der lediglich nur deshalb neben ihr saß, weil sie einmal mehr ihren Launen gefolgt war und ihn sich buchstäblich an Land gezogen hatte. Noch immer wähnte er sich in Freiheit. Das war auch gut so. Männer wie er sollten nie das Gefühl haben, beherrscht zu werden. Es reichte aus, sie zu manipulieren, ohne dass sie davon Wind bekamen.


    "Mein lieber Cornelius, ich frage mich die ganze Zeit, ob wir uns schon einmal begegnet sind? Doch mir fällt beim besten Willen nicht ein, wann das gewesen sein soll! Aber vielleicht kenne ich ja deine Gemahlin. Du bist doch verheiratet, nicht wahr?" Das war auch eine Art, mehr über seinen wildfremden Sitznachbarn in Erfahrung zu bringen, auch wenn sie doch sehr aufdringlich wirkte. In dieser Beziehung aber war Domitilla relativ schmerzfrei, da sie sich für gewöhnlich das holte, was sie begehrte.


    In der Zwischenzeit hatte sich auch Marcella dem gleichen Votum angeschlossen und forderte, dass der unterlegene doch weiter leben durfte. Nun hing alles nur noch an der Entscheidung des Tiberius, der wie Domitilla bereits selbst feststellen musste, einfach zu nachgiebig und milde war gegenüber dem Sklavenpack! Also durfte Helios weiterleben und die Menge jubelte dem strahenden Sieger Leif zu.

    "Der Germane da, dieser Leif ist gewiss auch ein kleiner Leckerbissen, findest du nicht, liebste Marcella?"