Beiträge von Waballat ben Attar Athenodoros

    Alle Augen waren auf ihn gerichtet, und nun merkte dass kleine Wiesel, dass es sich vielleicht verspekuliert hatte: Vielleicht würde Suad keine Belohnung bekommen, sondern man würde ihm den Kopf abschlagen. Für Burschen wie ihn war die Aufmerksamkeit der Starken und Mächtigen niemals gut.

    Aber nun sagte er zitternd, was er wusste:

    "Oh edler Herr, ich habe unsere Hausvorsteherin Anippe gesehen, die heute in aller Frühe mit zwei Angestellten eines Dattelverkäufers aufgebrochen ist, um dem seine verdorbene Ware zurückzubringen. Es war so früh, und ich bin ihnen nach. Sie gingen nicht zu den Früchteverkäufern, sondern in eine Taberna, die "Die Ziege und die Dattelpalme" heißt. Dort kehren Kaufleute von den Karawanen ein, und sie sprachen mit einer schwarzhaarigen Frau. Doch als ich lauschen wollte wollte, erkannte mich Anippe, wurde böse und rannte hinter mir her. Ich entwischte ihr, und wo sie jetzt sind, weiß ich nicht.

    Doch zur Taberna kann ich Euch führen."


    Die Gesichter der Dienerinnen, die die Braut gesucht hatten, damit sie ihre Eltern begrüßte, sprachen Bände. Bleich und ängstlich traten sie wieder auf den Hof. Sie hatten Angst vor Athenodoros und Angst vor Bahram und seinen Bewaffneten. Die Älteste von ihnen schüttelte den Kopf:

    "Sie ist fort, o Herren", sagte sie nur.


    In Athenodoros stieg ein solch gewaltiger Zorn auf, dass ihm alles gleich wurde, parthische Prinzessin hin oder her. Er war betrogen worden. Er war so betrogen worden. Irgendwo waren sie, die abgefeimte Nilofer, ihr Liebhaber Phraotes und vielleicht sogar die ungetreue Anippe. Sie hatten sich ihm entzogen. Oh, er hatte schon Ideen, was er mit ihnen machen würde, würde er ihrer habhaft werden. Nilofer würde er sich nehmen, doch nicht als Gattin, sondern als seine Lustsklavin und Phraotes sollte zusehen, und danach würde er ihn vor Nilofers Augen mit einem Schwert durchbohren. Anippe würde er im Hof zur Abschreckung für die anderen Sklaven kreuzigen lassen.



    Er wandte sich an Bahram, und seine Augen sprühten vor Hass:

    "Dein hoher Herr, der Shahanshah, ist auf infame Weise hintergangen worden. Doch auch ich bin ein Opfer jener Prinzessin Shireen und jenes Surena. Verfüge über meine Männer und mein Haus o Fürst der Parther. Ich werde die besten Krieger der Bene Attar, die sich gerade in Palmyra befinden, zusammenrufen. ",


    er gab Suad den Befehl, zu seinem Onkel Orodes und noch einigen des Stammes zu eilen, um sie in Bereitschaft zu versetzen.

    Spatz im Sturm >>>

    Skope - die Wächterin

    Bitte melden Sie sich an, um dieses Bild zu sehen.Die bärenstarke Nubierin mit der herausgeschnittenen Zunge saß dort, wo sie seit Jahr und Tag saß, auf einem Hocker vor der Tür des ZIMMERS mit einer Peitsche quer über ihren Knien.

    Die Knechte schleppten Shanaz herbei und einer sagte: "Die da hat den Unmut des Herren erregt. Er überlässt sie dir." Die Frau erhob sich, sie war größer als jeder Mann und der Umfang ihrer Oberarme übertrag bestimmt den von Shanaz Oberschenkel. Sie öffnete den Mund, so dass Shanaz die schwarze Mundhöhle und den Zungenstummel sehen konnte und stieß beinahe vergnügte Laute aus. Dann streichelte sie mit ihrer Pranke Shanaz Gesicht, immer weiter vor sich hingurgelnd und machte den Knechten Zeichen. Die kannten das wohl schon, aber selbst diese rauen Männer zögerten jetzt, als die Wächterin mit dem Schlüssel, der an einer Eisenkette um ihre Hüften hing , zur Tür ging und das ZIMMER aufschloss. Dabei knallte sie einige Male vor sich mit der Peitsche auf den Boden, als wollte sie ihr Kommen ankündigen - oder aber sich etwas fernhalten.

    Der Raum selbst war im ersten Augenblick dunkel, erst nach einer Weile gewöhnte sich das Auge so weit an die Finsternis, das man ein paar Lichtstrahlen daher erkannte, wo die Fensterluken mit rohen Brettern vernagelt worden waren.

    Immer noch vor sich hinbrabbelnd packte die Wächterin Shanaz an ihrem Chiton und stieß sie vor sich her. Dann schubste sie sie auf den Steinboden des Raumes.


    Shanaz war alleine. Im Finsteren. Sie konnte nicht wissen, was das für ein Zimmer war. Aber der süssliche Gestank nach ungewaschenem Leib und menschlichen Kot umwaberte sie so intensiv, dass er beinahe greifbar war.

    RE: Spatz im Sturm


    Athenodoros schaute Shahnaz kaum an. Vor ihm stand eine junge Frau oder sogar noch ein Mädchen, schön, zum Hochmut erzogen und vom Schicksal geschlagen. Wäre er nicht der gewesen, der er war, vielleicht hätte er ein wenig Mitgefühl gezeigt und versucht, die Perserin für sich zu gewinnen. Aber Athenodoros dachte nur daran, dass Shanase ihre Unterwerfung verweigerte. Heute wollte er ihren Willen brechen.

    "Bringt meine Sklavin zu Skope", befahl er: "Sagt Skope, dass ich ihr Shanaz zur Bestrafung schicke.",

    er machte eine wegwerfende Handbewegung zu Shanaz: "Du hast mir nicht gehorchen wollen, Dienerin. Heute wirst du sehen, was denen geschieht, die mir den Gehorsam verweigern. "


    >>> Skope

    Spatz im Sturm


    Balaneion>>> Athenodoros saß an seinen Schreibtisch, hatte das Kinn auf die Hände gestützt und brütete vor sich hin. Er dachte über Shanaz nach. Wäre sie nicht gar so schön gewesen, hätte er sie auspeitschen lassen, aber er wollte ihre zarte Haut nicht durch Narben verunzieren. Auch ihr Hochmut reizte ihn immer noch, obgleich sich seine Geduld dem Ende näherte. Seine Perserin musste endlich lernen, welches Schicksal ihrer harrte, wenn sie nicht gehorsam und so willig war, wie es einer guten Dienerin gegenüber der Hand, die sie durchfütterte, anstand. Einen Moment lang dachte er an die grauäuigige Kainis, die ihn geliebt hatte und so süss und anschmiegsam gewesen war ( Doch lange war sie schon tot und ihre Knochen verrotteten in einer Abfallgrube). Mit der meist fröhlichen Anippe, schlief er, wenn er niemanden Besseren hatte, und sie machte keine Zicken.

    Aber jetzt gerade hatte er keine Lust auf Anippes Heulen und Weinen, wenn er Shanaz ihre Strafe verkündete. Er wollte sich nicht erweichen lassen. ...


    Da hörte er Schritte vor der Tür. Seine Diener brachten hoffentlich die frisch gebadete, nicht mehr hungrige und durstige Shanaz zu ihm.

    Im gleichen Moment klopften die Knechte an die Tür des Balneum: "Genug geschnattert Gänse", lachten sie und traten ein, noch bevor Anippe oder Shanaz die Gelegenheit gehabt hatte, sich wieder anzukleiden. Gierig glotzten sie auf die jungen Frauen, aber sie hatten ihre Befehle. Einer wies auf Shahnaz:

    "Du da, Perserin, mitkommen. Wenn du dir was überziehen willst, beeil dich. ", er grinste: "Von mir aus kannste auch nackt bleiben"

    Als Anippe eine Geste machte, wies er sie zurecht: "Dich will er nicht sehen"

    Ab heute herrschte ein anderer Wind. Den würden die Sklavinnen bald zu spüren bekommen.


    >>> Spatz im Sturm

    Waballat ben Attar Athenodoros sah zu Jabel hinüber und auf Grund dessen schreckensbleichen Gesichts zweifelte er keinen Moment daran, dass der Mann die Wahrheit sagte. Da nickte Jabel auch schon höchst unglücklich und machte ihm gegenüber die Geste des Halsabschneidens. Ja, Jabel hatte Recht. Wenn die Fremden hier Wachen des Königs in Ktesiphon waren, dann waren das Elitesoldaten und sie konnten vermutlich alle Einwohner der Prostas in kürzester Zeit abschlachten. Athenodoros hatte kräftige Knechte zur Hand, aber sie waren nur mit Knüppeln bewaffnet. In Palmyra war das Tragen von scharfen Waffen in der Öffentlichkeit wie in anderen poleis auch verboten. Bei so vielen wilden Nomadenkriegern aus der Steppe begnügte man sich aber damit, zu verlangen, dass sie sie irgendwo unsichtbar verstauten. Vermutlich hatten das auch Bahrams Leute getan.

    "Sie ist was? Nilofer die Halbschwester des Shahanshah?", fragte er und schüttelte langsam den Kopf. Das die Männer Wachen des Königs waren glaubte er, da Jabel es glaubte; Jabel war unbedingt vertrauenswürdig. Aber sie waren zweifellos einem Irrtum aufgesessen:

    "Ich lasse sie sogleich holen. Aber ich versichere euch, dass ihr da völlig falsch informiert seid. Nilofer ist ganz und gar keine Prinzessin. Eine unbotmäßige Kaufmannstochter ist sie. Und Phraotes hat hier in meinem Hause den Rang eines Dieners, nicht mehr...", er brach ab und spürte wie eine immer größer werdende grauenhafte Gewissheit ihn überfiel. Athenodoros war kein Dummkopf. Blitzschnell repitierte er alle Ereignisse seit Nilofers Ankunft in seinem Haus und immer wieder kam ihm, dass er eigentlich gar nichts wusste. Immer wieder klang ihm nur Nilofers Stimme in seinem Ohr. SIE war es gewesen, die ihm alles erklärt und erläutert hatte. Hatte sie ihn an der Nase herumgeführt? Was für ein durchtriebenes Weib... Jabel, Jabel war der Schlüssel:

    "Jabel, du hast Nilofer und Phraotes hierhergebracht?! Und hattest du keinen Verdacht?", fuhr er den Neffen an.


    Bitte melden Sie sich an, um dieses Bild zu sehen.Jabel sah mittlerweile so aus als hätte er Zahnschmerzen: "Nur den Verdacht, dass sie aus wohlhabenden Familien sind, vielleicht sogar von Adel", antwortete er:

    "Aber königlich - nein. Ich hätte geglaubt, dass keine Frau aus dem Harem des Großkönigs entkommen kann. - Oh, das soll keine Kritik sein.", sagte er schnell in Richtung Bahram.

    Ein paar Kinder waren losgelaufen, um Anippe zu suchen; vielleicht warf ihr Herr ja ihnen ein paar Münzen zu, hofften sie.


    Aber je länger die Suche dauerte, desto seltsamer wurde die Sache. Keine Braut und kein Phraotes. Aber auch keine Anippe mehr, die ja die Haushaltsvorsteherin war und bei den Hochzeitsvorbereitungen eine Rolle spielte. Gerade vorhin war sie noch weggeilt, der Mutter ein Bad zu richten und für ihre Bequemlichkeit zu sorgen. Nun war es, als hätte es niemanden von ihnen gegeben.

    Keine Nilofer. Keinen Phraotes. Nicht einmal eine Anippe.


    Wer aber sich jetzt durch die Menge quetschte, war das kleine Wiesel Suad. Geleitet durch seinen Sklaveninstinkt - er ahnte wohl, dass auch der Überbringer einer schlechten Nachricht so bestraft werden konnte, als sei er der Urheber - warf er sich Bahram zu Füßen und berührte mit seiner Stirn dessen Schuhe.

    Dann wartete er, bis er sprechen durfte.

    Eine junge hübsche Sklavin begrüßte sie freundlich und bot an, den Gästen ein Bad zu richten. Bahram trat hervor und bedankte sich bei der jungen Frau. "Shlomo mein schönes Kind, dies sind der ehrwürdige Herr Pakūr Meherzad und seine Gemahlin, die Eltern deiner Herrin Nilofer." Er deutete auf den jungen Keyan und einen weiteren seiner Männer. "Unglücklicherweise sind sie unserer Sprache nicht mächtig. Daher spreche ich für sie. Sie möchten ihre Tochter überraschen. Daher verratet ihr noch nichts von ihrer Ankunft!" Natürlich würde die Prinzessin gewarnt sein, wenn sie hörte, ihre Eltern aus Ktesiphon seien angekommen. Sie sollte sich so lange wie möglich in Sicherheit wiegen. Bis dahin wollten auch die Parther ihre Maskerade aufrecht erhalten. Dann, wenn sie es am wenigsten erwarteten, wollten sie die Prinzessin und ihren verräterischen Begleiter ergreifen und gefangennehmen. Nun galt es einfach, einen klaren Kopf zu bewahren und geduldig zu warten.

    Athenodoros wurde darüber unterrichtet, dass sein junger Verwandter wieder aus dem Partherreich zurück war. Er erhob sich, jeder Zoll breit würdevoll wie es ihm anstand, aber dennoch loderte in seinem Herzen ein wilder Triumpf auf. Jetzt war es vorbei mit der mädchenhaften Zickerei seiner Braut, jetzt würde er sie bekränzen, heiraten und auf sein Lager führen. Er hoffte nur, dass die Schwiegereltern nicht auf irgendwelchen lang andauernden komplizierten Riten bestanden, die das ganze noch länger herauszögerten. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, dass Nilofer nun auch sein Eigentum war, wenn auch auf einem anderen Niveau als beispielsweise eine Anippe.

    Er ließ sich einen prächtigen Mantel umlegen und trat mit einer Schar Sklaven heraus. Da er sich in seinem eigenen Haus befand, waren die jungen Diener nicht bewaffnet, sondern allein nach Schönheit und Repräsentation ausgesucht worden - man konnte es sich leisten.

    Waballat ben Attar schritt auf die Neuankömmlinge zu; später würde er Jabel mit Wangenkuss begrüßen, aber zunächst würde er dem Ranghöchsten, dem Kaufmann Pakūr Meherzad, die Ehre erweisen. Die Mutter würde als Eheweib nicht öffentlich angesprochen, erst in privatem Rahmen würde er auch sie küssen und an sich drücken.

    Mittlerweile sorgte Anippe wohl für die Bequemlichkeit der Gäste und gab auch Nilofer Bescheid, dass ihre so ersehnten Eltern endlich hier waren.

    Er näherte sich dem Mann, den er für den Vater seiner lilienhäutigen Verlobten hielt und umfasste seine Unterarme:

    "Hundertmal, was tausendmal willkommen unter meinem Dach, edler Pakūr Meherzad aus Ktesiphon. Sei meiner Freundschaft versichert. Noch einmal bitte ich Dich um die Hand deiner lieblichen Tochter. Doch sei gewiss, dass weder ihr noch deinem Haus Unehre geschieht. Ich bin der Synhodiarches der Bene Attar, des vornehmsten unter den Vier Heiligen Stämmen von Palmyra. Und deine Tochter hat mir bereits ihr Herz geschenkt. Doch sprich selbst mit ihr, sie hat mit Tränen und Flehen sich nach ihrem Vater gesehnt."

    Den Text hatte sich Athenodoros schon lange überlegt. Theatralisch richtig wäre es gewesen, wenn sich nun eine zerknirschte Nilofer genähert hätte, bereit sich dem Vater zu Füßen zu werfen und um Verzeihung für ihr Durchbrennen zu bitten.

    Aber keine Nilofer. Wo steckte sie nur? Sie war schön genug, sie musste sich nicht stundenlang herrichten.

    Er wurde innerlich etwas unruhig, als die Minuten verstrichen. Dann sagte er :

    "Zweifellos schämt sich die Jungfrau und traut sich nicht, vor deine Augen zu treten, o Pakūr Meherzad. Sollen wir sie zusammen in ihren Gemächern aufsuchen, lieber Schwiegervater in spe? "

    Bitte melden Sie sich an, um dieses Bild zu sehen.Von Ktesiphon nach Palmyra >>>


    Vor Jabel lagen die Tore der Prostas. Er erbat Einlass und dann zogen in einer längeren Reihe seine Kamele in den Innenhof, gefolgt von Bahram und seinen Männern. Unter ihnen Keyan in Frauenkleidern, den zierlichen und jungen Parther konnte man von weitem für eine Kaufmannsgattin halten. Er sollte Nilofers Mutter darstellen. Die Knechte, die die Gruppe sahen, grüßten ehrerbietig, und die Mägde eilten herbei. Die Schwiegereltern des Herren sind gekommen, hallte es über den Hof, welch große, große Freude! Holt die Herrin Nilofer, damit sie ihre Eltern begrüßen kann!"

    Viele mochten die schöne und immer freundliche Partherin, und sie malten sich eine herzzerreißende Szene aus, wenn die Tochter die lang vermisste Mutter umarmen würde. Manche Frauen wischten sich jetzt schon verstohlen über die Augen.

    Die jüngeren Kinder aber liefen los: "Herrin Nilofer!"

    Bitte melden Sie sich an, um dieses Bild zu sehen.Jabel hatte sich fügen müssen, um sein eigenes Leben zu retten: Er führte die parthischen Agenten in das Haus seines Onkels, der sich durch seine Liebe zu Nilofer, die in Wahrheit eine parthische Prinzessin war, in allerhöchste Gefahr gebracht hatte. Er brachte ihn den Tod ins Haus. Aber er konnte es nicht ändern, Bahram hatte ihn in seiner Gewalt .


    >>> Der Tod setzt...

    Shahnaz war mehr wert als fünfundreißig Drachmen, in Rhome hätte man auf den einschlägigen Sklavenmärkten das Zehnfache bezahlt, und es gab Mittel und Wege, eine widerspenstige Sklavin zu zähmen. Eine letzte Frage stellte Athenodoros aber doch: "Ihr bringt mir die Sklavin doch unberührt zurück?" Er hatte seiner Ansicht nach sehr geduldig um die junge Frau geworben, so dass es ihn ärgern würde, hätte ihm zuvor schon jemand die Blume weggeschnappt. Dann zählte er die fünfundreißig Drachmen den Sklavenjägern hin, und diesmal machte er keine Ausflüchte. Nur ab und zu warf er Shanaz einen überaus finsteren Blick zu. Die rollte mit den Augen und schien überhaupt nichts von dem ihr innewohnenden Trotz verloren zu haben.

    "Was soll ich mit einem Seil? Seile habe ich so viele, dass ich eine Legion daran aufhängen könnte.", sagte er etwas verständnislos und abgelenkt:

    "Nun ihr Herren, ihr wart mir nützlich. Vielleicht kann ich eure Dienste einmal wieder brauchen. Dann wäre es gut, zu wissen, wo ich euch erreichen kann. Ansonsten Chairete und Zel Bashlomo, gehabt euch wohl. "


    Kaum waren Schmuel und Barnabas gegangen, wandte sich Waballat ben Attar Athenodoros an Anippe: "Du hast meinen Befehl gehört? Was stehst du hier noch herum?"

    Der Preis war an für sich nicht unrecht, denn Shanaz war vielfaches wert, aber Athenodoros wäre nicht er selbst gewesen, hätte er nicht noch versucht, ihn etwas zu drücken: "Nun ja, die Sklavin gehört wirklich mir. Ihr habt sie mir wiedergebracht, und daher bedanke ich mich und möchte euch nicht länger aufhalten. Shlomo - gehet in Frieden, ihr guten Sklavenjäger. Ich zahle euch für eure Dienste fünfundzwanzig glänzende Drachmen, aus gutem alten Silber, das mögt ihr doch. "

    Eine Drachme war eine Münze von beträchtlichem Durchmesser, und sie hatte, obwohl die Römer ihren Wert gleich einem Denar angesetzt hatten, doch einen höheren Silbergehalt. Die Münzen machten richtig was her und waren im ganzen Osten Zahlungsmittel.

    Der Ben Attar öffnete über einen sinnreichen Mechanismus eine kleine Truhe, die hinter ihm stand und begann zu zählen.

    Re: Zu Gast bei den Bene Attar



    Bitte melden Sie sich an, um dieses Bild zu sehen.Nasri Ben Attar war in der Tat ein Kaufmann wie die meisten Verwandten, und er besaß ein prächtiges Haus. Als nun geklopft wurde, öffnete ein Wächter, der einen Stock in der Hand hielt, die Tür und sah einen alten Herren vor sich, den er für einen Hebräer hielt. Wie die Palmyrener auch hatten die Juden das Geschick, sich im Römischen Reich wie auch im Partherreich frei zu bewegen, und es gab große Kaufleute unter ihnen. Der Wächter hielt den Fremden auch für einen Händler, der vielleicht in Geschäften zu seinem Herren unterwegs war:

    " Shlomo edler Herr", sagte er: " Wie ist dein werter Name und was kann ich für Dir zum Gefallen tun?"

    RE: Der Spatz in der Hand...


    Athenodoros schaute etwas perplex auf Shahnaz und dann auf die beiden Sklavenjäger, die sich Barrabas und Schmuel nannten. Dann griff er halb gespielt, aber durchaus halb von Entsetzen über den desolaten Zustand seiner Sklavin gepackt sich an den Kopf: "Oh ihr hebräischen Einfaltspinsel, ihr Grausamen, was habt ihr mit meiner schönen Perserin getan? Angenehm war ihre Gestalt wie die Zedern eurer Heimat, schwarz und duftend ihr Haar wie Trauben, weiß ihr Antlitz wie das der göttlichen Allat. Meine Blume, meine persische Blume! Ihr habt sie mir zuschanden gemacht! Was soll ich nur mit ihr anfangen? Ich könnte sie höchstens den Römern verkaufen, die könnten mit ihr die Parther erschrecken! Besser wäre es gewesen, ihr hättet sie in der Wüste sterben lassen, als so mein Auge zu beleidigen. Und ihr wollt noch Lohn? Wie dreist ist das? Eher sollte ich euch vor den römischen Praetor bringen, um euch auf Schadensersatz zu verklagen!"

    Wenn die Sklavenjäger gewieft waren, würden sie ganz ruhig bleiben. Wabballat ben Attar Athenodoros hatte lediglich angefangen, zu feilschen.


    Er stand nun auf und ging einmal um Shanaz herum: "Tu nicht so, als würdest du kein Wort verstehen. Ich habe Ezra ben Abraham schon genug Geld dafür bezahlt, dass du meine Sprache lernst.", sagte er: "Für dein Weglaufen werde ich dich bestrafen - oh keine Sorge, nichts was deine zarte Haut oder das, was davon noch übrig ist, verletzt." Auch wenn die Perserin nicht alles verstand; Athenodoros grimmige Miene sprach Bände.


    Er warf einen Blick zu Anippe, die ganz still und ängstlich in der Ecke stand. Fürchtete sie sich? Das war gut: "Nachher wirst du mir Shanase wieder menschlich herrichten, baden und ihr neue Kleidung geben. Aber bleib nicht alleine mit mir, das Weib hat einen Djinn im Leib. Nimm zwei Diener mit Knüppeln mit. Dann sollen ihre Hände gefesselt werden, und ihr bringt sie wieder her."

    Porta>>>

    Der Spatz in der Hand...


    Athenodoros saß über seinen Geschäftsbüchern, die er zwar von einem Buchhalter führen ließ, aber selbst nachkontrollierte. Er erkannte am Klopfen an der Tür Anippe. Anippe war schon seit sie denken konnte sein Eigentum, und irgendwann hatte sich dann etwas wie, nein, nicht Freundschaft, eher Komplizität entwickelt:

    "Komm rein, Mädchen", sagte er. Eine kleine Pause würde ihm gut tun, und Anippe kam da gerade recht. Er wollte sie schon auf seinen Schoss winken, da bemerkte er, dass sie nicht alleine war. Im Schlepptau hatte sie zwei Männer und ein Bündel, das aber offenbar auf zwei Füßen laufen konnte.

    Die Männer sahen nicht so aus wie Leute, die der Synhodiarches der Bene Attar normalerweise empfing; für Unwichtiges hatte er Angestellte.

    Mit zusammengekniffenen Augenbrauen musterte er die Leute:

    "Wer seid ihr? ", fragte er ziemlich barsch.

    Er war aber eigentlich böse auf seine Sklavin. Was fiel ihr ein, zwielichtige Fremde einfach zu ihm durchzulassen?

    Bitte melden Sie sich an, um dieses Bild zu sehen.Je länger Jabel in der Zwickmühle steckte, desto mehr seiner Meinung nach gerechtfertigter Zorn empfand er. Mehr auf Nilofer als auf Phraotes, denn es war die Prinzessin, dachte er schaudernd, gewesen, die ihn mit einem Brief zu einer erfundenen Adresse in Ktesiphon geschickt hatte. Nur um Haaresbreite war er einem Tod unter fürchterlichen Martern entkommen. Und nicht mal das Entkommen war gewiss, diese Parther waren so wankelmütig wie der Steppenwind ihrer Heimat.

    Daher war er so dankbar über die unerwartete Gnade, dass er die Hände des Bahram Chobin küsste und ihm unter Anrufen der großen Göttin Allat versprach, dass sie die Gesuchte gewiss als Braut im Hause seines Onkels finden würden. Die Geschenke, die er mitgebracht hatte, überreichte er ihm nun offiziell für das Staatsvermögen des Partherreiches. Diesmal war es kein Bestechungsversuch. Es hätte Aufmerksamkeit erregt, wäre er mit den Geschenken, die doch für die Brauteltern gedacht gewesen waren, zurückgekehrt. Überhaupt die Brauteltern, die fielen ihm wieder ein:

    "Darf ich einen Rat geben, o edler Kommandant der Stadtwache?. Wir streuen das Gerücht aus, dass der Kaufmann Pakūr Meherzad und seine Gemahlin mit ihrem Gefolge nach Palmyra zur Vermählung ihrer einzigen Tochter reisen. Du o Schwert des Hauses der Weisheit, gibst dich als jener Kaufmann aus. Den Jüngsten und Hübschesten deiner Wache stecken wir in Frauengewänder, mag er hinter Schleiern die Mutter spielen. Auf diese Weise wird niemand Verdacht schöpfen, bis wir vor dem Tor der Prostas Bene Attar stehen. "

    Eine baldige Hochzeit


    Sobald die Astrologen den günstigsten Stand der Sterne bestimmt haben und und unter der Gunst der göttlichen ALLAT - ATHENE, wird der edle Waballat ben Attar,Synhodiarches des heiligen Stammes der Bene Attar und Mitglied der Boule von Palmyra, Nilofer bint Pakūr Meherzad , eine Kaufmannstochter aus Ktesiphon, die als Gast unter seinem Dach weilt, zu seinem Weibe nehmen.

    In der Prostas Bene Attar wird eine einwöchige Hochzeitsfeier stattfinden, mit illustren Gästen und Speis und Trank für das Volk von Palmyra.


    Die Brautleute sind angeblich sehr verliebt und freuen sich auf ihr gemeinsames Glück.




    Bitte melden Sie sich an, um dieses Bild zu sehen.Bahram schien sich entgegen entschieden zu haben, ihn gleich an Ort und Stelle auf gräßliche Weise zu foltern und hinzurichten, so rutschte Jabel immer noch auf Knien zu seinem Stuhl und setzte sich. Ein winziger Hoffnungsschimmer glomm in ihm auf; ja, er hatte mit den jungen Leuten Mitleid gehabt, doch nun ging es nur noch darum, seine Haut zu retten - und so wie er die Parther kannte, war das keineswegs nur sprichwörtlich gemeint:

    " Der Mann, jener Phraotes, reiste nach Alexandria mit dem Auftrag den ebenso verschwundenen Sohn meines Onkels zu suchen. Es wurde nicht gesagt, ob er zurückkehrt. ", Athenodoros hatte ursprünglich einen "kleinen Unfall" für Phraotes geplant, falls der weiter darauf bestanden hätte, Nilofer zu lieben, das war der Stand der Dinge für Jabel. Vom Streit zwischen den Liebenden, der schlussendlich dem Parther den Kopf rettete, wusste er nichts:

    " Mein Onkel, der edle Waballat hält die Prinzessin für eine Kaufmannstochter. Oh elende Blindheit, mit der ein böswilliger Djinn uns schlug! Der junge Phraotes hatte in unseren Augen weder Reichtum noch Namen, da wir auch blind dafür waren, dass er aus dem Hause Suren stammt, so schien es uns nicht seltsam, dass sich die Frau abwandte und ein Leben in Wohlstand bevorzugte. Bitte glaube uns, dass wir nur gehandelt haben wie wir es für Recht hielten, und mit dem Schatten einer Ahnung nur hätten die Bene Attar ihren schnellsten Kamelreiter zu dir geschickt, um die zwar untreue, oh, das sollte keine Kritik an der Prinzessin sein, die durch ihr Blut so weit über uns steht. Aber wir hätten sie euch gebracht. Wir wissen nur zu gut, dass wir unseren Reichtum in Palmyra der Tatsache verdanken, dass uns sowohl der hochherzige und über allen stehende Shahanshah des Partherreiches als auch der zweifellos unwürdigere Basileus der Rhomäer freien Handel gewähren.
    Nein, meine Lippen werden versiegelt sein, o Erhabener. Du und deine Krieger, kommt mir mir nach Palmyra, und dort werdet ihr die Gesuchte inmitten von Hochzeitsvorbereitungen finden
    "

    Das war es dann auch für Athenodoros, mehr hatte er mit Phraotes nicht mehr zu besprechen, doch sehr selbstverständlich zählte er den jungen Mann nun zu seinen Bediensteten. Da hatte er im Gästetrakt oder gar in der Nähe seiner zukünftigen Braut nichts mehr verloren.

    Er winkte den Botenjungen, der Idunah hergeführt hatte, zu sich und befahl ihm: "Zeige Phraotes und seiner neuen Sklavin die Kammer, die nun ihm gehört." Sie lag zu der Prostas hin, dort wo sich auch die Männer aufhielten, wenn sie den Synhodiarches sprechen wollten, und sein Privileg war, dass er sie immerhin nicht mit anderen Karawanenbediensteten teilen musste:

    "Bald habe ich eine neue Aufgabe für dich. In der nächsten Woche sende ich eine Karawane nach Antiochia." Gratis durchfüttern würde er den jungen Parther nicht, er musste sich seinen Unterhalt verdienen.

    Aber eine Spitze hatte er noch:

    "Ich hoffe doch, aber du wirst wieder hier sein, wenn die Flötenspieler die bekränzte Nilofer in mein Haus führen. Es soll eine prächtige Hochzeitsfeier werden, und selbstverständlich sind auch meine Leute geladen und sollen nach Herzenslust essen und trinken. Ich warte nur noch darauf, dass die Schwiegereltern mit Jabel aus Ktesiphon eintreffen - keine Sorge, Phraotes, auch wenn sie zweifellos auf dich wütend sein werden, da du ihre Tochter zum Weglaufen überredet hast, stehst du unter meinem Schutz, und ihr Zorn wird verflogen sein, sobald sie erkennen, wie gut es meine schöne Braut getroffen hat. Du kannst dich nun ausruhen gehen"

    Das war das Zeichen, dass Phraotes entlassen war.

    Bitte melden Sie sich an, um dieses Bild zu sehen.Jabel zählte eins und eins zusammen. Denn er hatte nur zwei jungen Leuten zur Flucht verholfen im letzten Jahr, und ja, er hatte wohl gedacht, dass die Beiden etwas anderes waren als sie vorgaben zu sein, und keine Diener, sondern die unbotmäßigen Kinder reicher Eltern. Aber PRINZESSIN....NEIN! Da hätte der Nabäter auf jeden Fall die Finger davon gelassen, um sich nicht die ganze Hand zu verbrennen oder gleich ganz auf dem Scheiterhaufen zu landen. So weit oben hatte er Phraotes und Nilofer nicht angesiedelt, sonst hätte er sie noch am gleichen Abend ausgeliefert. Doch nun war es geschehen: Er selbst hatte beide ins Haus seines Onkels geschickt. Genauso gut hätte er seinem Onkel die Pest mitbringen können.

    In Jabel ben Attar stieg die kalte Ahnung auf, dass er verloren war:

    "Keine Geschenke - alles was mein ist, soll dein sein o edelmütiger Diener des höchsten Shahanshah. Ich wusste nicht, wer die beiden waren, ich schwöre das beim Leben meiner Mutter. Sie kamen zu mir und behaupteten, sie seien Kaufmannskinder, Liebende auf der Flucht. Der Mann nannte sich Phraotes, jedoch nicht Surena", auch Jabel war das Haus Suren als Begriff bekannt:

    " Die Frau sagte, sie hieße Nilofer. Nilofer umgarnte meinen Onkel, und der möchte sie heiraten. Sie ist im Hause des Waballat von den Bene Attar. Der Mann jedoch verschwand. Ich tue, was du willst, und ich flehe um Gnade... um Gnade für meine Verfehlung, den Glanz der Prinzessin nicht erkannt zu haben. Getäuscht worden bin ich! Gnade"


    Jabel ben Attar rutschte auf die Knie und in eine vollkommene proskynesis, in dem er sich Bahram zu Füßen warf, um ihn zu erweichen.

    "Schicksal - Tyche.", sprach Athenodoros.

    Alexandros war immer weich und sensibel gewesen, zu weich für seinen Geschmack, und sein junger Erzieher, ein Grieche, hatte diese Tendenz noch verschärft. Er wäre nie ein guter Geschäftsmann geworden, nie ein Anführer, nie ein kühner Wüstenreiter und Herr über eine phyle, einen Stamm. Und vielleicht hatte er Alexandras Wahnsinn geerbt. Nein, Alexandra im Kerker war eine lebende Tote, und ihr Sohn war nun rechtlich tot, ein toter Lebender, ein Sklave in den unermesslichen Weiten zwischen Palmyra und dem Reich der Serer.

    Athenodoros erinnerte sich tatsächlich einen Moment daran, wie viele Hoffnungen er in den Jungen gesetzt hatte. Er erinnerte sich an einen Knaben, der Pferde über alles liebte, der von seinem Namensvetter, dem großen Alexander, sprach, der lebhaft und witzig war. Und einen Moment sah er die Schatten von drei Menschen vor sich: den Knaben Alexandros, die Sklavin Kainis und deren Sohn. Sie saßen alle zusammen auf einer Kline und lächelten ihn an. Dann hob Tyche ihre Hand, und sie waren ausgelöscht, vergangen und im Schattenreich entschwunden. Ihr Lächeln verblasste, die leuchtenden Tage von Alexandria waren vorüber.


    Einen Moment lang nur dachte Athenodoros, dass es hätte anders sein können. Aber es war wie es war:


    "Das sind in der Tat schlechte Nachrichten, doch wer kann sich gegen qisma, Kismet, stellen? Ein Trost und eine Hoffnung werden mir jedoch sein, dass Nilofer, meine Braut, mir starke und mutige Söhne gebären wird. ", sprach er und beobachtete Phraotes unter gesenkten Lidern: Ja, du hast verloren, junger Parther, aber Athenodoros ist großmütig.


    Also schnippte er mit den Fingern und gab dem Botenjungen, der Idunah gebracht hatte, ein Zeichen, er solle sie antippen, auf dass sie ihn ansähe:


    "Phraotes, gräme dich nicht. Du wirst andere Aufträge erhalten und andere Reisen für mich machen. Und zum Zeichen meines guten Willens schenke ich dir diese erlesene jasminhäutige Sklavin mit dem Kupferhaar."


    Er deutete auf Idunah und dann auf Phraotes und sprach:


    "Idunah - Phraotes - despotés von Iduna. Du gehörst nun ihm, Mädchen. Komm her und knie vor deinem neuen Herren"